Dienstag, 30. Juni 2009

Platte Füße und glückliche Ohren

Last FM ist nochmal mein Untergang. Letztes Jahr fuhr Caroona den relaxten Kurs "Was ich nicht kenne, vermisse ich auch nicht" und hat prompt auf dem Hurricane Jason Mraz verpasst und sich nachher in den Popo gebissen.

Dieses Jahr war sie so schlau und hat im Vorlauf Stun!-den! mit dem Genuss des Hurricane-Event-Radios verbracht. Inklusive Listenschreiberei, was unbedingt gesehen werden muss. Von sechzig Bands standen plötzlich 44 auf dem Plan, einige davon mit drei Ausrufezeichen.

Einerseits habe ich dadurch vorher Bescheid gewusst, dass Gogol Bordello mitnichten so blöd ist, wie der Name vermuten lässt. Hölle, was eine Party.

Andererseits verfalle ich bei zu viel Auswahl schnell in das "ich kann mich nicht entscheiden, alles so schön voller bunter Bonbons hier in diesem Bonbonladen" Syndrom. Und dann ist *hoppelhoppel* blutig wörtlich gemeint. Immer wenn mein Bruder die portable Festplatte mit den gefühlten 20.000 GB Musik zückt, kriege ich einen totalen Starrereflex. "Soooohooooo, was willste denn haben?" "Wwwwwwbsssssswwwwwwww... Hä? ... Ich weiß nicht!!!" Ich bin eigentlich als Kind nicht wirklich zu kurz gekommen, aber über die kleine "Habenhabenhaben!!!"-Caroona kann ich manchmal nur lachen.

Da es leider nicht menschenmöglich ist, an zwei Orten gleichzeitig zu sein, habe ich schweeeren Herzens die Liste ein bisschen zusammengestrichen (auf 38 Bands oder so) und bin immer schon um halb zwölf losgeschlappt, während andere sich noch der Grillung widmeten. Da war es von Vorteil, Vegetarierin zu sein, Grillen ist mir eh wumpe.

Leider geht der Spaß jetzt wieder von vorne los, ich dachte eigentlich, Wacken würde einigermaßen entspannt ablaufen, weil doch bestimmt ganz viel davon Prollometal und somit verzichtbar wäre, ergo ganz viele Päuschen zwischen den Perlen. Leider nicht. Meine in der Zwischenzeit wieder entplätteten Füße jiffeln jetzt schon. Au, au, au. Meine Ohren sind jetzt schon zappelig. Hipp, hipp, hipp. Komisches Körpergefühl, aber ehrlich.

Hin und her gerissen grüßt

Caroona

Montag, 29. Juni 2009

Honk und Zonk haben fertig

Die beiden, ihres Zeichens Klempner, waren ganz groß darin, Schläuche an Armaturen nach ästhetischen Gesichtspunkten anzubringen und nicht danach, ob sinnvoll das Wasser dahin fließt, wo der Mensch unter der Dusche es gerne hätte. Und sie hatten auch das super Hobby "Türauflassen und gleichzeitig Nixmitkriegen", weswegen Leo und Lilly den einen oder anderen Extraausflug riskieren konnten. Naja, Ende gut alles gut, die Regenbrause braust und hier sind Photos:

Alte Bodenfliesen:

Rosa marmoriert, jippie

Neue Bodenfliesen:

Blau diagonal

Alte Wandkacheln:

Rosa mit Dübellöchern

Neue Wandkacheln (noch mit der verhonkundzonkten Schlauchführung):

Weiß mit Bötchen

Böse Zungen sagen mir ja Lillifee-haftigkeit nach, aber eigentlich geht Rosa gar nicht bei mir. Insofern:

Yay!

Und demnächst berichte ich dann über Fluch und Segen von last.FM Event-Radios. Das kann ganz böse auf die Füße gehen.

Liebe Grüße,

Caroona

Sonntag, 7. Juni 2009

Der Sommer kommt und ich habe nix anzuziehen - oder doch?

Stimmt nicht ganz, aber dünne Hosen, in die ich reinpasse, das ist immer ein Drama. Wie so viele Frauen, mit denen ich mich unterhalte, läuft es garantiert nicht so, dass ich in den Laden gehe, mir eine Hose der korrekten Größe schnappe, und sie sitzt auch nur annähernd gemütlich. Da hilft alle Drückebergerei nicht, es muss selbst genäht werden.

Hindernis 1: Der Schnitt. Ich bastel den ja gerne von passenden Hosen ab, aber irgendwie wird das dann nie so richtig professionell. Gekaufte Schnitte haben das Manko, dass sie wieder "hüftig" designt sind, eins meiner Lieblingsworte, auf Deutsch: Die Nieren gucken raus, Caroona ist immer am Hochzuppeln. Außerdem sind immer die Hosenbeine viel zu eng für den heimeligen Effekt. Ich will schließlich auch noch sitzen können.

Lösung: Mal muss ich mich auch beraten lassen, ich gebs ja zu. Bei dem mir jetzt empfohlenen Schnitt muss ich oben nur ein paar cm mehr dranzaubern, schon ist alles paletti.

Hindernis 2: Stoff kaufen. Wenn eine Perfektionistin einkaufen geht, aachja. Farbe, Muster, bitte nur Baumwolle und einigermaßen bezahlbar wär auch nett. Gar nicht so leicht.

Lösung: War diesmal im Grunde kein Hindernis. Ich hatte da noch so ne Tüte Stoff seit Ewigkeiten rumstehen. Am besten geht Stoffkaufen, wenn ich es nicht geplant habe, dann wird Panikcaroona überlistet. Und dann gleich schwupp einen ganzen Sack Stoff zulegen.

Hindernis 3: Die Nähmaschine. Andauernd blockiert das Dings, raaah, ich mag mich gar nicht mehr dran setzen. Mein großer Nemesis. Reparieren? Neue besorgen? Mit dem Hammer draufhauen? Erstmal Schweißausbruch und Fluchanfall.

Lösung: Peinlicherweise musste ich feststellen, dass die Nadel verbogen war. Eine neue Nadel bewirkte wahre Wunder *headdesk*

Ergebnis: Alles gar nicht so schlimm. Nun habe ich eine extrem niedliche blaue Hose mit Blümchen (Klingt genau nach meiner Kragenweite, nä? Caroona kann auch niedlich.) und bin voller Enthusiasmus für die fünf Stoffe, die ich rumliegen habe, aus den Resten wird ein Patchworkstufenrock gebastelt und dann werde ich mich sogar endlich wieder an die Patchworkdecke wagen, die seit Monaten rumliegt und mir am Gewissen rumpiekst. Hahaaaaa, dann und wann bricht auch bei mir der Handarbeitswahn aus. Den Schwung muss ich jetzt nutzen, bevor der Sommer wieder rum ist, höhöhö. Dann kann ich mir ins Hemd machen, wie ich an warme Hosen komme.

Alles Liebe,

Caroona

Freitag, 5. Juni 2009

Baustelle für EinsteigerInnen

Wir haben uns an Familie Singlilli ein Beispiel genommen und jetzt den Flur voller Fliesenstapel und Eimer. Die Vorbesitzerin hatte hier eine Reihe von vier Häuschen hingesetzt und vermutlich gab es die Kacheln damals irgendwie günstig in vier Farben. Wir haben rosa erwischt *schauder* So rosa marmoriert. Zudem fiel so langsam die Duschkabine auseinander, buchstäblich. Immer dann, wenn Gäste drunter standen, einer hatte spontan die Tür in der Hand, bei einer krachte die Brausenhalterungsstange unter großem Hallo runter. So langsam kein Zustand mehr.

Jetzt gibts weiß mit blauer Deko und Schiffchen. Gut, die Badezimmer sind klein und wir haben den Garten nicht einmal komplett durchwühlen lassen, aber für die Miezen ist schon Ausnahmezustand. Vor allem, wenn gestemmt, gebohrt oder geflext wird, sind sie totaaaaal begeistert. Naja, sowas machen wir vermutlich auch nur dies eine Mal im Leben. Für eine Wärmepumpenanlage sehe ich angesichts der Miniwinzgröße unseres Gartens leider wenig Hoffnung und außerdem murmelt da Dr. Evil auch immer. Wohl doch ne Nummer zu Öko ;o)

Liebe Grüße aus Mörtelhausen,

Caroona

Montag, 1. Juni 2009

Bücherstöckchen

Früher hat Caroona Bücher meterweise gefressen. Heutzutage stapeln sich schon mal halb gelesene Bücher und pieksen das Gewissen. Ob es weniger Muße ist, oder ob Caroona irgendwie gesättigt ist, ich weiß es nicht. Manche Bücher haben es aber so an sich oder in sich, dass ich sie nicht so reinziehen kann. Beispielsweise bin ich gerade beim "Golden Bough" von Frazer. Genauso ein Klassiker wie die Weiße Göttin von Robert Graves. Da ich bei Übersetzungen an manchen Fomulierungen hängenbleibe und ein Teil des Hirns permanent versucht simultan wieder zurück zu übersetzen lese ich sowas lieber gleich auf englisch. Weiß nicht, ob es daran liegt, oder daran, dass die beiden Herren es nicht für nötig befanden, sich kurz zu fassen, jedenfalls geht das Ganze nur in Portionen. Beim Frazer kommt noch so ein zeitgenössischer Chauvinismus dazu, der mir doch etwas quer runtergeht. Aber schon spannend, da steckt ne Menge drin, was überall erwähnt wird, der Mythos vom sterbenden und wieder auferstehenden Gott und Persephone und so weiter und die Entwicklung von einer Gesellschaft der Magie hin zur Religion, gibt viel nachzudenken, egal ob ich das jetzt alles so unterschreibe oder nicht. Plus, die Sonne scheint und der Liegestuhl ist gemütlich :o)

Passend dazu hatte ich hier noch von ich weiß nicht wo und wann ein Stöckchen rumliegen, das ich nutze, um eine Lesepause sinnstiftend (?) zu verbringen.

Gebunden oder Taschenbuch?
Früher war ich total wild auf gebunden. Aber bei manchen Serien habe ich das allermeiste als Taschenbuch, da gibt es im Regal Sortierprobleme, daher warte ich dann immer hüpfenderweise auf die Taschenbuchversion.

Amazon oder Buchhandel?
Amazon oder ähnliche Onlineshops sind super praktisch zum Suchen und Bewertungenlesen. Aber ich will meinen Beitrag leisten, dass der örtliche Bücherladen nicht eingeht. Hier ist eh schon wenig genug los, was Einkaufsmöglichkeiten angeht.

Lesezeichen oder Eselsohr?
Irgendwelche Schnippel, aktuell ein nicht genutzter Medikamentenvorschlag meines Arztes. Eselsohr? Sakrileg!!!

Ordnen nach Autor, Titel oder ungeordnet?
Ganz schlimmes Thema. Nach Autor, Thema, Farbschema, Chronologie und Format. Es ist zum Verzweifeln.

Behalten, wegwerfen oder verkaufen?
Ich habe bisher in meinem Leben einmal ganz extrem die Axt fallen lassen und ein paar Kartons im Oxfam-Laden abgegeben. Aber danach hat mir schon ein bisschen das Herz geblutet, obwohl ich die betroffenen Bücher ewig nicht mehr gelesen hatte.

Schutzumschlag behalten oder wegwerfen?
Wer wirft denn Schutzumschläge weg???

Mit Schutzumschlag lesen oder ohne?
Mit.

Kurzgeschichte oder Roman?
Roman. Aber nicht aus einer generellen Ablehnung des Konzepts Kurzgeschichte heraus.

Harry Potter oder Lemony Snicket?
Wer oder was ist Lemony Snicket?

Aufhören wenn man müde ist oder wenn das Kapitel zuende ist?
Idealerweise, wenn das Buch zuende ist. Realistischerweise, wenn die Zeilen Samba tanzen, oder wenn ich merke, dass die Aufmerksamkeit abschweift.

Kaufen oder leihen?
Kaufen. Wenn mein Aszendent nicht Skorpion wär, wär er Hamster.

Neu oder gebraucht?
Neu.

Kaufentscheidung: Bestsellerliste, Rezension, Empfehlung oder Stöbern?
Oft kaufe ich Bücher, bei denen ich den/die AutorIn kenne, oder die Teil einer Serie sind. Ich gucke aber auch gerne nach Rezensionen.

Geschlossenes Ende oder Cliffhanger?
Kommt drauf an, ob es eine Fortsetzung gibt. Offene Enden sind nicht mein Ding.

Morgens, mittags oder nachts lesen?
Wann immer ich Zeit und Muße habe.

Einzelband oder Serie?
Ist im Prinzip wurscht.

Lieblingsserie?
Discworld, die Vampirchroniken und Taltos-Geschichten von Anne Rice.

Lieblingsbuch von dem noch nie jemand gehört hat?
Woher weiß ich, wer wovon was gehört hat? Dringend empfehlen möchte ich Rumo und die Stadt der Träumenden Bücher von Walter Moers. Und "A long way down" und "How to be good" von Nick Hornby.

Welches Buch liest du gegenwärtig?
"The Golden Bough" von James Frazer

Absolutes Lieblingsbuch aller Zeiten?
Bei sowas kann ich mich immer nicht entscheiden und hibbel ewig rum, also lasse ich das aus.

LieblingsautorInnen?
Fay Weldon, Terry Pratchett, Walter Moers, Anne Rice, Nick Hornby, Rita Mae Brown

Dann will ich mal sehen, ob der Liegestuhl immer noch so gemütlich ist :o)

Liebe Grüße,

Caroona

Sonntag, 31. Mai 2009

Ich find das gut

Noch am Montag hatte ich einen derart festzementierten Nacken, dass ich nicht zur Schule gegangen bin. Glücklicherweise hatte sich das bis Freitag einigermaßen gelegt, denn es ging auf Reisen zu Kumpels nebst Farin Urlaub. Und beim Hoppeln zu "Zehn" wurde es wider Erwarten echt besser mit der Kopfbeweglichkeit. Knirscht nur noch minimal.

Mal ganz ohne Flax: Dass es Farin gibt, macht wenigstens für mich diese Welt zu einem besseren Ort. Er hat und vermittelt die allerbeste Lebenseinstellung der Welt: Du bist in Ordnung, ich bin in Ordnung, und jetzt mache ich noch nen kleinen flachen Scherz, zeige alle Zähne, die ich dabei habe, und dann wird gesprungen und geschwitzt, aber pronto. Was will ich mehr?

Ansonsten fühle ich mich manchmal wie hierhergebeamt. Vermutlich vom Planeten Butch. Als wir uns nach Hamburg begaben, um Star Trek XI zu sehen, ging mir mal wieder auf, dass ich es wieder versäumt hatte, mich angemessen zu kleiden, einfach nur Jeans, abgefummeltes T-Shirt, barfuss in gemütlichen Klettsandalen, feddich. Ist das echt so unnormal für eine Frau auf Sonntags-Ausflug? Na, kein Wunder, dass ich den Mädels in der Schule öfters so schräg runter gehe, seit die Haare ab sind, gibt es noch mehr Styling-Tipps, ahaha.

Wo ich schon dabei bin: Star Trek, yay! Wollte ich mich eigentlich sooofort zu äußern, aber wie das so ist, naja. Jedenfalls ganz hervorragende Unterhaltung, mal was Neues und endlich endlich konnte ich McCoy sympathisch finden, DeForest Kelley kann nichts dafür, aber seine Gesichtsausdrücke machen mich irgendwie aggressiv. Alle Rollen super besetzt, und die Geschichte so mitreißend, dass Captain Evil noch fünf Minuten nach Antritt der Rückreise das Herz klopfte und das Adrenalin aus den Ohren gluckerte.

A propos aggressiv: Das muss so eine Art mentale Selbstschutzamnesie sein, dass ich immer wieder vergesse, was Autobahnfahren bedeutet. Ich sage nur: Reißverschluss. Raaahh, es fiel ungelogen der Kommentar "Nächstes mal nehme ich entweder einen Säbel oder einen Vorschlaghammer mit!" Mann, mann, mann, ist das so schwierig, links, rechts, links, rechts, und bitte einfach bis ganz vorne durchfahren und alle nur an einer Stelle zusammenfädeln? Hm? Genauso wie es mir im Leben niemals einleuchten wird, warum bei gleicher Anzahl Autos und gleicher Anzahl Spuren, in anderen Worten gleichem Platzangebot, vorm Elbtunnel großes Rumgestocke ist, innendrin Gezuckel und kaum sind wir raus: Freie Fahrt. Äääh? Am allerallerliebsten habe ich aber das Szenario: Irgendwo fährt ein Amphibienfahrzeug, ein Gefährt mit gelbem Blinklicht dran oder es steht ein kaputter LKW inne Gegend. Und zack müssen nur ein paar Vollpfosten gaaanz kurz abbremsen und gucken, ist ja so ultra exotisch, und schwupp, der Stau ist angezettelt. Zugegeben, ich könnte so langsam mal draus lernen und nicht mehr mit dem Auto reisen.

Wobei, das FURT-Konzert hat für so manches entschädigt. Danke Farin, danke Racing Team, auf Euch ist Verlass. Zweimal "Zehn", das war wirklich nett von Euch.

Liebe Grüße,

Caroona

Dienstag, 21. April 2009

Schuld und Schwäche?

Wenn es die Frauen gar nicht selbst verbockt haben, wer war es dann? Hat es überhaupt jemand wissentlich und/oder willentlich verbockt? Ich mache mir keine Illusionen, dass ich dieses komplexe Thema wirklich und schlüssig für mich befriedigend aufdröseln kann. Aber einige Argumente von diversen Seiten der Debatte finde ich schwierig.

Zunächst die Sparte Feministinnen, die sagt "Tausende Jahre lang wurden die Frauen unterdrückt, auch heute noch knechtet uns das Patriarchat, oh weh oh jemineh" Ich möchte mich nicht so als Opfer sehen, weder als Opfer der mich umgebenden Männer noch als Opfer des Systems. Natürlich ist mir bewusst, dass Traditionen und Konventionen machtvolle Instrumente sind, die sich nicht mit einem Fingerschnippen beseitigen lassen. Dass es durchaus reale Abhängigkeiten und Ängste gibt und die finanzielle Lage der Frauen weltweit ihnen statistisch gesehen weniger Macht gibt. Aber trotzdem bleibt für mich manchmal der Nachgeschmack, dass in dieser Sicht Frauen weniger stark sind. Und dass es auch für die Zukunft wenig Hoffnung gibt, etwas zu ändern. Denn oft erschöpfen sich diese Tiraden im Jammern. Als Sachanalyse ist es natürlich berechtigt zu gucken, wie denn die Macht historisch und momentan verteilt war und ist. Nur ist das geeignet, die Schuldfrage zu lösen? Ist sie überhaupt lösbar? Ist es weiterbringend, wenn wir die Schuldigen ausgemacht haben?

Im Gegenteil tönt es von manchen Männern (und manchen nicht sonderlich loyalen Frauen): "Tjaha, schön blöd, wenn die Frauen das so mit sich machen lassen, und eben drum selbst Schuld" Schon praktisch sich darauf auszuruhen, dass die Frauen im Lauf der Geschichte aus Dummheit oder aus sonstigem charakterlichem Defizit heraus wider besseres Wissen nicht agiert haben, obwohl sie es hätten tun können. Wenn die Ausgangssituation durch welchem Umstand auch immer asymmetrisch ist, muss erst einmal eine Menge passieren, bis das wieder umkippt. Genauso, wie es unfair wäre, unterdrückte ethnische Gruppen selbst für ihre entmachtete Lage verantwortlich zu machen. Wobei das natürlich durchaus auch vorkam, die Sklaven sind halt mal nicht so intelligent, quasi genetisch zum Dienen prädestiniert und so weiter. Entsprechend ist das vielbeschworen "schwache Geschlecht" anscheinend nicht zur gleichberechtigten Teilhabe an der Macht und der Welt geschaffen. Also diese Kehrseite der Medaille schmeckt mir auch nicht.

Ich halte Frauen nicht für generell schwächer. Nicht zuletzt, weil ich mich selbst nicht als schwach empfinde. In einem ganz anderen Zusammenhang las ich, dass in einer Beziehung zwischen zwei männlichen Charakteren einer Serie, keiner der beiden "die Frau" sei. Schon alleine daran zu sehen, dass auch der von der beruflichen Stellung her Unterlegene eine "ruhige innere Stärke" habe, was ja deutlich unfeminin sei. Ich gehe davon aus, dass dies eine Unterhaltung zwischen zwei Frauen war und da geht mir echt der Hut hoch. Was ist an Stärke bitteschön unfeminin? Das führt mich zu der alten Dauerschleife "Was heißt das eigentlich: Weiblich und männlich?" und "Perpetuiere ich mit solchen Überlegungen etwa genau das Stereotyp, was ich am liebsten mit dem großen Radiergummi abschaffen würde?" Es ist ja schön und gut, dass sich jemand Gedanken macht, ob gleichgeschlechtliche Beziehungen in die Heteroschablone reingehämmert werden müssen, aber als Frau da auf meine eigenen Kosten die Männer scheinbar aufzuwerten, indem ich versichere, dass - nein nein - keiner von ihnen diese Anteile hat, die "man" halt so als weiblich definiert? Tz.

Es ging auch allen Ernstes darum, ob der eine den anderen auf Händen tragen könnte. Sie sind beide circa gleich groß, ergo gleich schwer, ergo nicht zu stemmen, ergo ist keiner "die Frau". Ich stelle mir gerade vor, wie mich Dr Evil durch die Gegend schleppt. Hust. Er wiegt zwar weniger als ich, aber darum geht es gar nicht. Sondern dass getragen werden, dünn sein, zierlich sein, überhaupt in die Verlegenheit zu kommen, getragen werden zu müssen, weiblich ist. Und tragen, retten, stark sein ist natürlich männlich. Aha. Vielleicht habe ich das nicht ausreichend im Blick als nicht besonders kleine und nicht sonderlich dünne Person, ob unfreiwillig kurze und leichte Menschen notwendig körperlich unterlegen sind. Selbst das halte ich aber nicht für zwingend.

Was mich am meisten vergrätzt ist das Hin- und Herschalten, das oftmals beide Seiten betreiben. Wenn es um die Schuld an der Misere geht, sind die Frauen schwache Figuren, ansonsten natürlich die besseren Menschen, mann lässt sie nur nicht. Aber natürlich sind sie im Prinzip für Machtpositionen genauso gut geeignet, weil sie ja schon irgendwie stark sind, also irgendwie im Grunde, wenn sie nicht unterdrückt sind. Alternativ sind Frauen dann stark, wenn sie die armen Jungs für das Patriarchat indoktrinieren oder eventuell einfach nur verunsichern, so dass diesen keine andere Wahl bleibt, als Machosackgesichter zu werden. Ansonsten sind Frauen zu nix zu gebrauchen, sieht man ja, die Merkel kriegt nicht mal ihre Frisur in den Griff. Ahahaha. Also wie auch immer, die Frauen sind stark oder schwach, hauptsache schuld. (Genauso eine Story könnte ich für die Männer schreiben, die gleichzeitig die großen Unterdrücker sowie ihren Hormonen unterlegen und damit auch permanent schuld sind, aber das war nicht das Thema der heutigen Predigt.)

Da stehe ich also am Rand der Arena und raufe mir die Haare und muss zugeben, dass ich leider weder das Riesenradiergummi in der Tasche habe, noch den Zauberstab, der endlich Einsicht von Himmel rieseln lässt. Wenn ich jetzt sagte, okay, ich gehe in die Politik und räume den Laden mal so richtig auf, dann hätte ich vermutlich nicht gerade die überwältigende Stimmenmehrheit zu erwarten, für eine Diktatur fehlt mir dann doch die Skrupellosigkeit und das ist auch sehr viel Aufwand, da immer den Deckel draufzuhalten. Plus, ich habe - Asche auf mein Haupt - kein wirklich ausgegorenes Rezept, das käme spätestens dann, wenn ich echt König von Deutschland wär nicht so gut: Jo, liebe UntertanInnen, ich weiß zwar genau, was ich doof finde, aber wie wir meinen Gegenentwurf solide in den Köpfen und vor allem den Herzen verankern, ööööööööööööhm... Was mir bleibt, ist den Jugendlichen in der Schule jeden Tag zu demonstrieren, dass eine Frau stark und kompetent sein kann, dass es nirgends geschrieben steht, dass wir uns allen Konventionen anpassen müssen und dass der Himmel uns nicht auf dem Kopf fällt, wenn ich das mache, was ich für richtig halte und nicht das, was sich gehört. Und mich der leisen Hoffnung hinzugeben, dass die wenigstens ein klitzekleines bisschen an Aha-Erlebnis mitnehmen. Diese Alltagspolitik der klitzekleinen Schritte ist aber harte Kost für ein ungeduldiges Gemüt.

Blick auf den Kalender: Menno, Ferien vorbei. Wie passend.

Alles Liebe,

Caroona

Dienstag, 14. April 2009

Die Frauen haben es selbst verbockt

In letzter Zeit gab es aus gegebenem Anlass immer wieder online und RL Debatten zum Thema "Wer verkorkst eigentlich unsere Kinder?" Und ein gerne herbeigezerrtes Argument ist: In Kindergärten und Schulen sehen sich die Kinder und Jugendlichen mehrheitlich Frauen gegenüber. Außerdem sind ja immer noch meist die Mütter als Hausfrauen, Alleinerziehende (dem Vater die Kinder Entziehende?), Teilzeitarbeitende oder zur Not doppelbelastet ganztagsarbeitende Rabenmütter zuständig für die Familienarbeit und damit die Erziehung. Logische Schlussfolgerung: Wenn in der Kriminalstatistik männliche Jugendliche signifikant mehr Gewalttaten verüben, sind im Prinzip die prägenden Frauen verantwortlich.

Da bekomme ich, gelinde gesagt, einen Hals.

Erstens würde sich manche (Ich gebe zu, nicht jede!) Mutter sehr über gesteigerten Einsatz des Erzeugers freuen und nicht nur der Art "Wir gehen mal am Samstag Nachmittag auf den Bolzplatz." Wie die realen Zahlen aussehen, wie oft nach einer Scheidung der Vater finanziell ausgezogen wird bei gleichzeitiger Vorenthaltung der Kinder, weiß ich nicht. Ich höre allerdings in meinem Umfeld auch gegenteilige Geschichten, bei denen der Ex sich vor Zahlungen drückt und sich auch sonst eher nicht für seine Kinder interessiert. Um da wirklich eine Aussage zu machen, müsste ich aber wie gesagt, die Gesamtsituation kennen.

Zweitens, nicht ganz ohne mich selbst betroffen zu fühlen: Berufe im Bereich Erziehung und Bildung sind nicht besonders berauschend vergütet und auch nicht so doll in der generellen Anerkennung. In meinem Bundesland ist es nicht ungewöhnlich, dass in Grundschulen und Hauptschulen berufsfremde Menschen als Hilfslehrkräfte eingesetzt werden, um Geld zu sparen und die Statistiken zu schönen, denn haha: "Jede Stunde zählt!" Das führt schleichend zu der Annahme: Unterrichten kann jedeR. Generell lässt sich sagen, dass der Anteil der Männer in einer Sparte umgekehrt proportional ist zum Gehalt und zum Prestige. Da nun rumzutönen, warum nur so eine erschlagende Menge an Frauen auf unsere Kinder losgelassen wird, ist ein bisschen unangebracht. Sollen doch die Männer, denen das nicht passt, mit gutem Beispiel vorangehen und sich mal eine Runde vor desillusionierte HauptschülerInnen stellen und denen versuchen, ein Stück Fundament für eine gute Zukunft mitzugeben. Darauf warte ich.

Drittens: Mag ja überraschend sein, aber unsere Kinder kommen meist schon mächtig vorgeprägt in Kindergärten und Schulen an. Das gelebte Rollenverständnis der Eltern, wie auch immer es aussieht, ist nur der erste Schritt auf dem Weg zum Feministen oder patriarchalen Dummbacken. Unsere Kultur ist getränkt von Medien: Fernsehen, Internet, Computerspiele, visueller Werbung in Plakatform und in Printmedien und nicht zuletzt Musik. Ich bin die letzte, die sagt: Ballerspiele machen aus einem lieben kleinen Jungen einen Amokläufer. Ich kenne genug friedliebende Menschen mit einem WOW-Account, die sich seltsamerweise dadurch nicht irgendwie verändert haben.

Aber: Als Gesamtpaket lässt sich mit dieser Beschallung durchaus auch eine Message vermitteln. Wenn ich mir überlege, ich trete in Konkurrenz zu, sagen wir mal, wen nehme ich denn, na meinetwegen: Sido. Und ich versuche, den Jungs zu erklären, dass Vergewaltigung nichts, aber auch gar nichts Witziges an sich hat. Überlegen wir mal, hier die Lehrerin, da der Rebell mit Maske und ohne Hemmungen, wer hat wohl den höheren Coolnessfaktor? Wer hat wohl hier Chancen, die eigene Botschaft rüber zu bringen? Nebenbei, ich unterstelle Sido nicht mal, dass seine Botschaft "Vergewaltigung ist witzig" lautet. Aber ich mache mir echt keine Illusionen, dass ich bei denjenigen, die diese Botschaft mitnehmen wollen, irgendwas dagegen ausrichten kann.

Tja, schließlich ist dann zu fragen: Wer hat im Mediengewurschtel denn den lautesten Anteil? Die Frauen? Hmmmmmmm.... Mir geht es gar nicht darum, hier groß abzuleiten: Aha, die Männer sind doch schuld! Die Lage ist viel zu deprimierend, als dass ich mich übers Rechthaben irgendwie freuen könnte. Mich regt das anfangs zitierte "Argument" auf, weil es eine Nebelbombe und sowas von überhaupt nicht hilfreich ist. Und dann die Folgejaulerei: Die armen Jungs, das verkannte Geschlecht, die Bildungsverlierer, wie können wir ihnen nur helfen? Eher selten: Die armen erschossenen Mädchen, wie hätten wir das verhindern können? Wie sollen wir das den Familien erklären? Warum müssen diese jetzt auch noch allerorten lesen, dass die Täter ja eiiiigentlich auch immer irgendwo, doch, schon, so ansatzweise auch Opfer waren?

Mir ginge es deutlich besser, wenn ich wüsste, was genau denn nun die Lösung des Schmassels ist. Da ist soviel Henne-und-Ei mit drin und soviel "Ich will die Dinge anders, aber nicht meinen eigenen Status Quo aufgeben".

Und wie ich dazu komme, gleichzeitig zu unterstellen, die mediale Umgebung habe einen prägenden Einfluss und andererseits Männerbands wie Cannibal Corpse durchaus erheiternde Anteile zuzugestehen, ohne dass ich jetzt dadurch der turbogewalttätige Mensch geworden bin, damit bin ich auch noch nicht so recht durch.

Alles Liebe,

Caroona

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caroona - 30. Jun, 20:36
Huiiii!
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