Wahr di Garr, de Buer de kummt
Mal so als kleines historisches Zitat. Die Dithmarscher Bevölkerung war traditionell eher renitent. Trotzdem war ich schon erstaunt, dass zur Demo gegen die geplanten Steinkohlekraftwerke am Ende doch so viel Volk auflief. Okay, ein paar mussten wir aus dem Südwesten (sprich: der Wilstermarsch) importieren. Aber die sind auch windfahnentechnisch noch mehr betroffen als wir. Und entsprechend fuchtig.
Meine persönlichen Stichworte waren Naivität, Absurdität und Solidarität. Zunächst mal erschreckt mich immer und immer wieder noch so manche Aktion um mich rum. Der Vertreter der Jusos hatte von der Kreisabteilung nahe gelegt bekommen, lieber nicht bei der Kundgebung heute aufzutreten. Er kam doch und musste sein Amt (was genau habe ich aktuell nicht auf der Platte) nur deswegen aufgeben. Nennt mich unbedarft, aber sowas könnte ich mir vorher immer gar nicht ausmalen.
Dann gab es die absurden Momente, wenn Mitmenschen ein Schild hoch hielten mit "Feinstaub und Schwermetalle - Nein danke!!!", aber eine Zigarette im Gesicht hatten. Naja, so gesehen ganz nett, wenn sie sich schon selbst das Cadmium reinziehen, dass sie es anderen ersparen möchten, insofern habe ich da nix zu meckern. Aber die 46 Trecker waren mit Sicherheit keine Solarmobile, wenn sie auch ordentlich Eindruck machten. Sie kamen zum großen Teil über die Kanalbrücke aus dem südlichen Nachbarkreis angejuckelt. Also wir liefen da "Kli-ma schüt-zen, Koh-le weg" jubilierend hinter den alten Dieselanten hinterher, das hatte ein bisschen was Bizarres.
Allerdings ging mir schon das Herz auf, erstmal angesichts der für dieses Nest nicht ganz jämmerlichen Anzahl Leute, die zudem auch noch durch alle Altersgruppen ging und so ziemlich von bunten Punks und jungen Männern mit Rastamähne und Kind im Tragetuch bis zu soliden Rentnern mit Prinz-Heinrich-Mütze reichte. Manche kamen von der anderen Seite der Elbe aus Stade, weil die dort ähnliche Scherze laufen haben mit Anträgen auf neue Steinkohledinosaurier und eine Frau war sogar aus dem Emsland gekommen. Und besonders schön: Es ist hier nicht ungewöhnlich, dass auf Weiden an der B5 Schilder stehen, mit denen gegen Umweltverbände protestiert wird. Aber heute waren sich Landwirte und Ökos mal so richtig einig. Das war einfach schööön, hach.
Aber ehrlich, ich kann kaum glauben, mit welcher Kaltschnäuzigkeit und Kurzsichtigkeit hier so eine Schildbürgeraktion durchgezogen werden soll, dass sie uns ein Kohlekraftwerk ohne Wärmekopplung (Wirkungsgrad unter 50%) auf die grüne Wiese setzen wollen, und das mit dem ausgelutschten Versprechen, das gäbe ganz doll viele neue Arbeitsplätze. Tjaja.
Ich bin mal gespannt, ob die Demo heute was bewegt. Früher hats ja auch was gebracht, wenn de Buer mit der Sense auf die Dänen losspurtete. Ob das hier eine gute Nachricht ist, muss sich offensichtlich erst noch zeigen. Ich hoffe derweil leise optimistisch.
Liebe Grüße,
Caroona
Meine persönlichen Stichworte waren Naivität, Absurdität und Solidarität. Zunächst mal erschreckt mich immer und immer wieder noch so manche Aktion um mich rum. Der Vertreter der Jusos hatte von der Kreisabteilung nahe gelegt bekommen, lieber nicht bei der Kundgebung heute aufzutreten. Er kam doch und musste sein Amt (was genau habe ich aktuell nicht auf der Platte) nur deswegen aufgeben. Nennt mich unbedarft, aber sowas könnte ich mir vorher immer gar nicht ausmalen.
Dann gab es die absurden Momente, wenn Mitmenschen ein Schild hoch hielten mit "Feinstaub und Schwermetalle - Nein danke!!!", aber eine Zigarette im Gesicht hatten. Naja, so gesehen ganz nett, wenn sie sich schon selbst das Cadmium reinziehen, dass sie es anderen ersparen möchten, insofern habe ich da nix zu meckern. Aber die 46 Trecker waren mit Sicherheit keine Solarmobile, wenn sie auch ordentlich Eindruck machten. Sie kamen zum großen Teil über die Kanalbrücke aus dem südlichen Nachbarkreis angejuckelt. Also wir liefen da "Kli-ma schüt-zen, Koh-le weg" jubilierend hinter den alten Dieselanten hinterher, das hatte ein bisschen was Bizarres.
Allerdings ging mir schon das Herz auf, erstmal angesichts der für dieses Nest nicht ganz jämmerlichen Anzahl Leute, die zudem auch noch durch alle Altersgruppen ging und so ziemlich von bunten Punks und jungen Männern mit Rastamähne und Kind im Tragetuch bis zu soliden Rentnern mit Prinz-Heinrich-Mütze reichte. Manche kamen von der anderen Seite der Elbe aus Stade, weil die dort ähnliche Scherze laufen haben mit Anträgen auf neue Steinkohledinosaurier und eine Frau war sogar aus dem Emsland gekommen. Und besonders schön: Es ist hier nicht ungewöhnlich, dass auf Weiden an der B5 Schilder stehen, mit denen gegen Umweltverbände protestiert wird. Aber heute waren sich Landwirte und Ökos mal so richtig einig. Das war einfach schööön, hach.
Aber ehrlich, ich kann kaum glauben, mit welcher Kaltschnäuzigkeit und Kurzsichtigkeit hier so eine Schildbürgeraktion durchgezogen werden soll, dass sie uns ein Kohlekraftwerk ohne Wärmekopplung (Wirkungsgrad unter 50%) auf die grüne Wiese setzen wollen, und das mit dem ausgelutschten Versprechen, das gäbe ganz doll viele neue Arbeitsplätze. Tjaja.
Ich bin mal gespannt, ob die Demo heute was bewegt. Früher hats ja auch was gebracht, wenn de Buer mit der Sense auf die Dänen losspurtete. Ob das hier eine gute Nachricht ist, muss sich offensichtlich erst noch zeigen. Ich hoffe derweil leise optimistisch.
Liebe Grüße,
Caroona
caroona - 14. Feb, 16:58
