Von Abwegen, augetretenen Pfaden und sich schließenden Kreisen
Irgendwann wird mir noch mal dieser Account wegen Faulpelzigkeit geschlossen. Nach ungefähr einem Monat melde ich mich hiermit als noch lebend zurück.
Seit ich mit meiner Ausbildung zur Lehrerin fertig bin, schaffe ich es in den allermeisten Fällen, mich morgens zum Fahrradfahren aufzuraffen. Wenn ich nicht so lange rumtrödele, bis ich zu spät dran bin und selbst mit dem Auto noch zur Schule heizen muss. Und wenn es dann nicht allzu heiß ist, kann es tatsächlich vorkommen, dass ich mal denke, och biegst Du hier mal ab, mal sehen wo dieser Weg hin führt. Dieses Verhalten tritt bei Caroona meist dann auf, wenn ein Umzug ins Haus steht. Dann wird sie doch noch auf den letzten Drücker neugierig. Ansonsten lernt sie oft von ihren Wohnorten erstaunlich begrenzte Bereiche kennen, der Rest der Karte ist weiße Terra incognita. Und das fällt mir lange Zeit nicht mal sonderlich auf.
Normalerweise fahre ich mit dem Fahrrad oft die gleichen Wege wie mit dem Auto. Die kürzeste Verbindung halt. Und schön blöd auch, weil da einige ungünstig getaktete Ampeln sind, und so tolle Druckampeln bei denen ich garantiert die Grünphase der Autos gerade so nicht mit erwische. Zudem gibt es noch eine saudoofe Einbiegung zur Schnellstraße, bei der nicht wie üblich der Rad- und Fußweg Vorrang hat, sondern seit dem Aufstellen von so Minischildern die AutofahrerInnen, die das aber meist nicht raffen, weil es so ungewöhlich ist und die Schilder wie gesagt so klein. Also bremste ich ab und die Autos bremsten ab und es gab wildes Gestikulieren und meist durfte ich dann doch zuerst fahren und dann im Grunde unnötigerweise bergan wieder neu beschleunigen. Und jedesmal dachte ich mir "Boah, bin ich froh, dass ich das nicht mehr lange mitmachen muss, grrrr!" Und schon war wieder gedämpfte Laune, bevor noch ein Viertklässer die Gelegenheit gehabt hatte, mir auf die Nerven zu gehen.
Im Nachhinein stellte sich heraus, dass ich eine ganz andere ampel- und kreuzungsfreie Strecke durch wunderschöne Wiesen inklusive Vogelgepiepe nehmen kann. Jetzt stehe ich vor den Alternativen, mich zu ärgern, dass ich das nicht eher mal erkundet habe, oder (eher zu empfehlen) mich zu freuen, dass ich es immerhin jetzt weiß. Netter Nebeneffekt: So allmählich versöhne ich mich mit der Gegend, auf die ich so böse war, weil ich dort im Exil wohnen musste, obwohl natürlich der Ort an sich am Allerwenigsten dafür konnte. Aber wer sagt schon, dass Gefühle rational sind? Nunja, jetzt kann ich da wegziehen und sagen "Irgendwie doch schön gewesen hier." Was sich besser anfühlt als "Ey, hier komme ich ga - ran - tiert nie wieder her!"
Manchmal führt so ein abenteuerfreudiges Austesten neuer Wege auch zu landschaftlich weniger reizvollen Umwegen, aber trotzdem bin ich dann froh, dass ich sie wenigstens mal ausprobiert habe. Ich könnte ja im Grunde auch einfach den Stadtplan bemühen und in der Vogelperspektive gucken, wo ich rauskommen müsste, wenn ich hier oder da längs fahre. Aber das wäre doch zu einfach und auch bedeutend unspannender. Dank meines wenig ausgeprägten Orientierungssinns gibt es dann und wann auch mal Überraschungen der Art "Ach hier bin ich jetzt???" Mit dem Auto sind ja manche Orte auch nur sehr hintenrum zu erreichen und dann stellt sich raus, dass es auf Schleichpfaden zum mysteriösen Täbyplatz gar nicht so weit ist und sich ein Kreis schließt. Irgendwie sehr befriedigend, diese Erkenntnis. Kreise schließen find ich gut.
Und wenn das auch alles im Grunde eher banal ist, wenigstens hege ich noch immer die Hoffnung, dass die Strampelei irgendwann noch mal gegen die langsam kaum noch zu ignorierende Plauze hilft.
Ich sehe gerade, die Sonne kommt raus, dann will ich doch mal noch schnell etwas Luft schnappen gehen.
Alles Liebe,
Caroona
Seit ich mit meiner Ausbildung zur Lehrerin fertig bin, schaffe ich es in den allermeisten Fällen, mich morgens zum Fahrradfahren aufzuraffen. Wenn ich nicht so lange rumtrödele, bis ich zu spät dran bin und selbst mit dem Auto noch zur Schule heizen muss. Und wenn es dann nicht allzu heiß ist, kann es tatsächlich vorkommen, dass ich mal denke, och biegst Du hier mal ab, mal sehen wo dieser Weg hin führt. Dieses Verhalten tritt bei Caroona meist dann auf, wenn ein Umzug ins Haus steht. Dann wird sie doch noch auf den letzten Drücker neugierig. Ansonsten lernt sie oft von ihren Wohnorten erstaunlich begrenzte Bereiche kennen, der Rest der Karte ist weiße Terra incognita. Und das fällt mir lange Zeit nicht mal sonderlich auf.
Normalerweise fahre ich mit dem Fahrrad oft die gleichen Wege wie mit dem Auto. Die kürzeste Verbindung halt. Und schön blöd auch, weil da einige ungünstig getaktete Ampeln sind, und so tolle Druckampeln bei denen ich garantiert die Grünphase der Autos gerade so nicht mit erwische. Zudem gibt es noch eine saudoofe Einbiegung zur Schnellstraße, bei der nicht wie üblich der Rad- und Fußweg Vorrang hat, sondern seit dem Aufstellen von so Minischildern die AutofahrerInnen, die das aber meist nicht raffen, weil es so ungewöhlich ist und die Schilder wie gesagt so klein. Also bremste ich ab und die Autos bremsten ab und es gab wildes Gestikulieren und meist durfte ich dann doch zuerst fahren und dann im Grunde unnötigerweise bergan wieder neu beschleunigen. Und jedesmal dachte ich mir "Boah, bin ich froh, dass ich das nicht mehr lange mitmachen muss, grrrr!" Und schon war wieder gedämpfte Laune, bevor noch ein Viertklässer die Gelegenheit gehabt hatte, mir auf die Nerven zu gehen.
Im Nachhinein stellte sich heraus, dass ich eine ganz andere ampel- und kreuzungsfreie Strecke durch wunderschöne Wiesen inklusive Vogelgepiepe nehmen kann. Jetzt stehe ich vor den Alternativen, mich zu ärgern, dass ich das nicht eher mal erkundet habe, oder (eher zu empfehlen) mich zu freuen, dass ich es immerhin jetzt weiß. Netter Nebeneffekt: So allmählich versöhne ich mich mit der Gegend, auf die ich so böse war, weil ich dort im Exil wohnen musste, obwohl natürlich der Ort an sich am Allerwenigsten dafür konnte. Aber wer sagt schon, dass Gefühle rational sind? Nunja, jetzt kann ich da wegziehen und sagen "Irgendwie doch schön gewesen hier." Was sich besser anfühlt als "Ey, hier komme ich ga - ran - tiert nie wieder her!"
Manchmal führt so ein abenteuerfreudiges Austesten neuer Wege auch zu landschaftlich weniger reizvollen Umwegen, aber trotzdem bin ich dann froh, dass ich sie wenigstens mal ausprobiert habe. Ich könnte ja im Grunde auch einfach den Stadtplan bemühen und in der Vogelperspektive gucken, wo ich rauskommen müsste, wenn ich hier oder da längs fahre. Aber das wäre doch zu einfach und auch bedeutend unspannender. Dank meines wenig ausgeprägten Orientierungssinns gibt es dann und wann auch mal Überraschungen der Art "Ach hier bin ich jetzt???" Mit dem Auto sind ja manche Orte auch nur sehr hintenrum zu erreichen und dann stellt sich raus, dass es auf Schleichpfaden zum mysteriösen Täbyplatz gar nicht so weit ist und sich ein Kreis schließt. Irgendwie sehr befriedigend, diese Erkenntnis. Kreise schließen find ich gut.
Und wenn das auch alles im Grunde eher banal ist, wenigstens hege ich noch immer die Hoffnung, dass die Strampelei irgendwann noch mal gegen die langsam kaum noch zu ignorierende Plauze hilft.
Ich sehe gerade, die Sonne kommt raus, dann will ich doch mal noch schnell etwas Luft schnappen gehen.
Alles Liebe,
Caroona
caroona - 16. Jun, 13:10
