Damals im Habsburger Reich...

Ich stand für diesen ersten Beitrag seit eeeeewigen Zeiten eine Weile unschlüssig vor den Alternativen: "Guckt mal, meine neuen Schuhe!!!", "Die Miezen sind schon doppelt so groß, guckt mal!!!" und "Fernsehen lässt den Adrenalinpegel in ungeahnte Höhen schnellen". Für Schuhe und Miezen gibts sicher noch Gelegenheit, also hier meine Auslassung zur Sendung "Hart aber fair" vom 27 September.

Es waren zum Thema Glaubenskrieger geladen zwei Politiker, ein Konvertit, eine Islamwissenschaftlerin und ein Publizist. Mir geht bei solchen Geschlechterproportionen schon vom Start weg der Hut hoch, aber dass die Frau zusätzlich noch natürlich nicht ihren Anteil an Redezeit bekam, war gar nicht mal das, was mich so aufgeregt hat.

Das Gespräch kam auf eine Forderung eines allseits beliebten süddeutschen Spitzenpolitikers, nach der Moscheeneubauten ihre Minaretthöhe unterhalb der Marke, die Nachbarkirchentürme vorgeben, halten müssen. Okay, ich kann diese Vorlage nicht so an mir vorbeigehen lassen:

(Pauschalisierungsmodus an)

Auf sowas kann auch nur ein Mann kommen...

(Pauschalisierungsmodus aus)

Gargh. Naja.

Ich bin nun wirklich die allerletze, die mit einem Schild "Einführung der Scharia - Jetzt!" über den Marktplatz stromert. Aber ich konnte die gute Frau verstehen, als sie einwandte, dass es Moslems irgendwie komisch ankommt, wenn sie weniger Rechte haben sollen als Christen. Mal ehrlich, mir ist es wumpe, wie hoch ein Minarett ist, wenn wenigstens nicht irgendwelche kleinen Mädchen im Kopftuch zur Schule erscheinen und vom Sexualkundeunterricht ausgeschlossen werden sollen und dann mit vierzehn von einer Heimatreise nicht wiederkehren, weil sie zwangsverheiratet wurden.

Aber dann kam dieser lustige Publizist und erinnerte sich schwelgend der Habsburger Zeiten, in denen Moscheen nämlich nur in Nebenstraßen und gefälligst super unauffällig gebaut werden durften. Als er dann noch anfügte, dass damals auch die jüdische Gemeinde wusste, wo ihr gesellschaftlicher Platz war und dass Minderheiten sich nun mal unterordnen müssen, war bei mir sowas von der Ofen aus.

Ich war echt entsetzt davon, dass jemand sowas fröhlich in die Kamera sabbelt und relativ wenig Gegenwind bekommt. Meiner Ansicht nach lässt sich eine Demokratie daran messen, wie sie mit Minderheiten umgeht. Und zwar, dass sie die gleichen Rechte bekommen, wie alle anderen auch, nicht mehr aber auch nicht weniger. Das soll jetzt keine Fundis entschuldigen, aber wenn so ein Müll über den Sender geht, das schürt doch auch Aggression, oder nicht? Naja, an der Stelle wurde dann der Fernseher im Eilverfahren ausgeknipst, bevor Caroona platzen konnte.

Manchmal möchte ich echt auswandern. Fragt sich bloß wohin.

So, und morgen gibts ein Bild von meinen hammercoolen neuen Schuhen.

Alles Liebe,

Caroona

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