Wenn die Gier sich durchsetzt

Am Freitag war ich nun zur Kollegiumsweihnachtsfeier. Ging gleich mit Toffeelikör und Sherryumtrunk los, wobei ich zum Glück die weite Autoheimfahrt vorschützen konnte. Richtig interessant wurde der Abend aber erst beim Ramschbingo. Alle hatten irgendwelchen Schrott liebevoll verpackt und mitgebracht. Wir hatten so hochoffizielle Bingozahlenkarten und dann wurde ausgerufen und jeweils passende Quadrate abgedeckt. Bei einer vollen Reihe durften wir uns ein Päckchen von der Fensterbank greifen. Ganz ehrlich, bei meinem ersten Bingo habe ich noch die Bälle flach gehalten und nix gesagt, weil ich ja wusste, was ich eingepackt hatte und (zu Recht) befürchtete, dass die anderen Geschenke nix besseres zu bieten hatten. Aber als so nach und nach neben mir alles "Bingo!" brüllte und zum Päckchenstand schob, setzte dann allerdings irgendwie doch die Rationalität aus und ich sah zu, dass ich auch noch was von diesen tollen Gewinnen abstaubte.

Als alle Gruselpakete verteilt waren, durften wir bei einem Bingo einfach von den anderen klauen. Und da ging der Blutrausch erst so richtig los. Ein besonders schicker Karton wanderte bestimmt zwanzigmal hin und her, fast schon unter Zähnefletschen. Nach der letzen Zahlausrufung ging das Licht an, und wir waren gezwungen, den Mist auszupacken. In diesem extrem populären Karton war tatsächlich und allen Ernstes die Klischee Wolfgang-Petry-CD. Wir haben uns fast nassgemacht. Ich musste eine Siegerurkunde von 1962 in einem bröckeligen Rahmen, ein Buch zum Anlegen von Tennisplätzen (Baugenehmigungen, Abstände von Zaunhalterungen, Regenabflussvorrichtungen und dergleichen...) und eine im Stockdunklen unter schwerem Drogeneinfluss designte Zettelhalterholzfigur mit nach Hause nehmen. Da habe ich wenigstens was, was ich nächstes Jahr fürs Bingo einpacken kann.

Aber echt bemerkenswert war diese seltsame Gier, die auch mich mitgerissen hat. Eigentlich bin ich überhaupt nicht so habenhabenhaben, aber da geht einfach dermaßen die Gruppendynamik ab, und ich prügel mich um Dinge, die kein Mensch braucht. Und jetzt mein Lieblingswort: Bizarr.

Ein kurzes Energieupdate: Ich habe weder Bäume ausgerissen, noch klappert mein Herz durch die Rippen durch, aber die Laune ist doch deutlich gestiegen und ich habe hier so einiges zu Hause geräumt, was ansonsten ewig liegen geblieben wäre. Nimm das, blöde Schilddrüse!

Und gleich inspizieren wir die zweieinhalb Brunsbüttler Weihnachtsbuden.

Alles Liebe,

Caroona

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