Eine Frage der Perspektive
Gestern war es soweit, wenn auch ein bisschen anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Als Grundschullehrerin kann es mir ja durchaus passieren, dass ich in Religion eingesetzt werde, sei es als Fachlehrerin, sei es nur mal in Vertretung. Ich schiebe das Thema ein wenig vor mir her, müsste mich aber eigentlich mal genauer damit befassen, auch rechtlich gesehen.
Da gibt es ja so schöne Dinge wie Lehrpläne. Die sagen mir, was ich inhaltlich alles bitteschön abhandeln soll mit den lieben Kleinen. Alle, die Kinderbibeln für eine gute Idee halten, sollten jetzt mal weghören. Die Jesusgeschichten sind ja wirklich nett und alles, Blinde sehen, Lahme gehen, allerliebste landwirtschaftliche Gleichnisse. Naja, bis zur Kreuzigung, das ist dann wieder eher ab 18. Den Rest könnte ich, ohne groß zu zucken, im Unterricht besprechen.
Gestern war aber Arche Noah dran. Und die Kinder: Das habe ich als Pixibuch, sooooooooo schöööön. Jau, feine Geschichte, mit Tieren, die Bötchen fahren, kleinen Schweinchen und Elefanten und Würmern und Eichhörnchen. Gibts auch als Spielset von bekannten Plastikmännekenherstellern, ganz doll schön. Zum Glück war ich nur als Doppelbesetzung dabei, nicht als Hauptverantwortliche.
Ich erinnere mich, dass die liebe Diana mal vor ein paar Jahren Bilder zu Bibelgeschichten gemalt hat, die nicht allen im schönen "Gott, Glaube, Religion"-Forum gefallen haben. Aber nichts übertrieben, nur wortwörtlich umgesetzt. Daran denke ich oft, wenn ich die Sintflutgeschichte lese.
Schon der Anfang ist super: Alle Menschen außer Noah, laut Bibel "alles Fleisch", war schlecht. Da gehts doch schon los. Was für ein fieses Menschenbild, wir sind so mies, das wir weggespült werden müssen, Säuglinge inklusive. Am Ende überlegt es sich Käptn Willkür anders, Menschen sind zwar böse von Geburt an, aber als eine Art himmlischer Knoten im Taschentuch erinnert der Regenbogen daran, dass so eine Komplettauslöschung nicht mehr nötig tut, ohne wirkliche Erklärung. Ist jetzt einfach so.
Die für mich befriedigendste Deutung der ganzen Geschichte ist, dass es wohl mal eine mächtige Übrschwemmung gab, und die Überlebenden sich das irgendwie erklären mussten, speziell angesichts ihres allmächtigen Gottesbildes. Wenn ich sage, Gott ist unberechenbar und letztlich einfach mal unverständlich, kann ich das philosophische und ethische Dilemma, dass ein beschützender Gott auch dann und wann mal grausam ist, wenigstens irgendwie einordnen.
Aber es ist dann immer noch keine Geschichte für Kinder, erst recht keine mit Disneyfilmhaftem Fokus auf den niedlichen Tierchen, die lustig rumschippern. Aus der Sicht der umgekommenen Tiere und Menschen, ist es eher nicht so spitze gelaufen. Ich finde es grundsätzlich respektlos, Kindern so etwas zu erzählen, wo 99% der Lebewesen drauf gehen, und die Message ist: Guckt mal der schöne Regenbogen, haaaaach Gott ist so toll. Es ist eben nicht toll, sondern unehrlich und verzerrend. Vielleicht kann ich den Grund für meinen Unmut gar nicht so klar rüberbringen, aber ich fürchte mich vor dem Tag, an dem ich als Lehrerin eine Stunde zur Arche Noah abhalten muss. Ob ich da wirklich die ganzen jämmerlich absaufenden Katzis und Lämmchen und Mäuseleins und Kinder auslassen kann, weiß ich noch nicht. Und das ist beileibe nicht die einzige Geschichte aus dem alten Testament, die ich Kindern nicht unkommentiert vorlesen möchte. Aber vielleicht komme ich auch nie in die Verlegenheit. Ich hoffe es mal.
Alles Liebe,
Caroona
Da gibt es ja so schöne Dinge wie Lehrpläne. Die sagen mir, was ich inhaltlich alles bitteschön abhandeln soll mit den lieben Kleinen. Alle, die Kinderbibeln für eine gute Idee halten, sollten jetzt mal weghören. Die Jesusgeschichten sind ja wirklich nett und alles, Blinde sehen, Lahme gehen, allerliebste landwirtschaftliche Gleichnisse. Naja, bis zur Kreuzigung, das ist dann wieder eher ab 18. Den Rest könnte ich, ohne groß zu zucken, im Unterricht besprechen.
Gestern war aber Arche Noah dran. Und die Kinder: Das habe ich als Pixibuch, sooooooooo schöööön. Jau, feine Geschichte, mit Tieren, die Bötchen fahren, kleinen Schweinchen und Elefanten und Würmern und Eichhörnchen. Gibts auch als Spielset von bekannten Plastikmännekenherstellern, ganz doll schön. Zum Glück war ich nur als Doppelbesetzung dabei, nicht als Hauptverantwortliche.
Ich erinnere mich, dass die liebe Diana mal vor ein paar Jahren Bilder zu Bibelgeschichten gemalt hat, die nicht allen im schönen "Gott, Glaube, Religion"-Forum gefallen haben. Aber nichts übertrieben, nur wortwörtlich umgesetzt. Daran denke ich oft, wenn ich die Sintflutgeschichte lese.
Schon der Anfang ist super: Alle Menschen außer Noah, laut Bibel "alles Fleisch", war schlecht. Da gehts doch schon los. Was für ein fieses Menschenbild, wir sind so mies, das wir weggespült werden müssen, Säuglinge inklusive. Am Ende überlegt es sich Käptn Willkür anders, Menschen sind zwar böse von Geburt an, aber als eine Art himmlischer Knoten im Taschentuch erinnert der Regenbogen daran, dass so eine Komplettauslöschung nicht mehr nötig tut, ohne wirkliche Erklärung. Ist jetzt einfach so.
Die für mich befriedigendste Deutung der ganzen Geschichte ist, dass es wohl mal eine mächtige Übrschwemmung gab, und die Überlebenden sich das irgendwie erklären mussten, speziell angesichts ihres allmächtigen Gottesbildes. Wenn ich sage, Gott ist unberechenbar und letztlich einfach mal unverständlich, kann ich das philosophische und ethische Dilemma, dass ein beschützender Gott auch dann und wann mal grausam ist, wenigstens irgendwie einordnen.
Aber es ist dann immer noch keine Geschichte für Kinder, erst recht keine mit Disneyfilmhaftem Fokus auf den niedlichen Tierchen, die lustig rumschippern. Aus der Sicht der umgekommenen Tiere und Menschen, ist es eher nicht so spitze gelaufen. Ich finde es grundsätzlich respektlos, Kindern so etwas zu erzählen, wo 99% der Lebewesen drauf gehen, und die Message ist: Guckt mal der schöne Regenbogen, haaaaach Gott ist so toll. Es ist eben nicht toll, sondern unehrlich und verzerrend. Vielleicht kann ich den Grund für meinen Unmut gar nicht so klar rüberbringen, aber ich fürchte mich vor dem Tag, an dem ich als Lehrerin eine Stunde zur Arche Noah abhalten muss. Ob ich da wirklich die ganzen jämmerlich absaufenden Katzis und Lämmchen und Mäuseleins und Kinder auslassen kann, weiß ich noch nicht. Und das ist beileibe nicht die einzige Geschichte aus dem alten Testament, die ich Kindern nicht unkommentiert vorlesen möchte. Aber vielleicht komme ich auch nie in die Verlegenheit. Ich hoffe es mal.
Alles Liebe,
Caroona
caroona - 12. Jan, 13:10
