Ein magischer Abend – sollten wir öfter tun

Na, das hat mal die weite Reise nach Lübeck (ultimativ fürchterliche Straßenführung!) mehr als gelohnt. In Hamburg verpasst, nun nachgeholt: Der Soundtrack zum Herrn der Ringe von Howard Shore als Livekonzert. Oha, ich bin seit Tori Amos in Nottingham nicht mehr derartig auf den Knien nach Hause gerobbt und gleichzeitig einen halben Meter über den Boden hinweg geschwebt. Mit anderen Worten: Großartig. Grooooooooßartig.

Ging schon damit los, dass freundlicherweise im Kongresszentrum gestern eine Art Esomesse stattgefunden hatte und alle Räumlichkeiten lecker eingeräuchert waren. Erst dachte ich, das wär speziell fürs Konzert gewesen, aber auch so sehr passend und nett. Die Zuschauer deckten die zu erwartende Bandbreite ab, die extrem Geschniegelten, die Nerds mit Brille und Seitenscheitel, die Turnschuhfraktion, der nette Mann im Tweedjackett, die bulligen Männer mit Metalshirts und geflochtenem Kinnbart und natürlich ein paar Elfen (ich verweigere mich hier mal der Lautverschiebung) im vollen Ornat, wahlweise in schwarz oder weiß. Hach, schön. Wir selber waren so auf dem Tweedlevel.

Und dann die Musiiiiiiiiik: A meisten geliebt habe ich die Trommelsektion, besetzt mit Hobbits und Zwergen (?). Und besonders süß fand ich, dass der Berserker an der allergrößten Trommel dann die Winzflöte für das Shiremotiv rausgezogen und ganz herzzereißend allerliebst geflötet hat. Und die Dirigentin war auch ganz großer Sport, die wurde so oft noch mal wieder rausapplaudiert, dass sie nachher schon sehr nachdrücklich Neeneenee gewunken hat. Die Sopranistin und Altistin waren auch zum Sterben gut, die hätte ich so mit nach Hause nehmen können. Aaaaaachja.

Ich hätte aber durchaus gerne auf die Videoleinwand mit der zusammengestümperten Powerpointpräsentation verzichtet. Die teilweise zusammenhanglos reingekreiselten, von irgendeinem Amateur in fünf Minuten selbstgepinselten Bildchen von Schwertern und Toren vor dem Hintergrund einer Mittelerdekarte haben weniger geholfen als abgelenkt und manchmal auch das eine oder andere Augenrollen ausgelöst. Zum Beispiel der Reiter, den ich als Gandalf abgelegt hatte, wegen des weißen Pferdes, den Dirk aber für einen Ringwraith hielt, wegen der tiefen Kapuze. Den zugenarbten Oger konnten wir gar nicht identifizieren, der Wassermann mit Hut könnte Gollum gewesen sein, vielleicht auch nicht. Aber die Krönung war es, als bestimmt fünf Minuten lang Saurons Ring offensichtlich spiegelverkehrt (Hallo, da sind Buchstaben drauf, sowas fällt auf!) eingeblendet wurde. Wer so einen lieblosen Quatsch fabriziert, gehört an den Füßen aufgehängt. Wenn sie meinetwegen immer den jeweiligen Titel eingeblendet hätten, das hätte vielleicht noch was gebracht und durchaus gereicht, die Beleuchtungsabteilung hat so schon alles gegeben, um die jeweils nötige Stimmung zu erzeugen.

Und doch, und doch... das reichte nicht, um mir den Abend zu versieben. Ich hatte fast permanent eine Gänsehaut, wortwörtlich. Huuuuaaaa... Die Stücke waren merkürdigerweise nicht chronologisch, warum auch immer. Zunächst befürchtete ich schon, das würde aber eine kurze Vorstellung, da wir ruckzuck im dritten Film waren. In der Pause stöberte Dirk mal kurz in einem Programm und stellte fest, dass zum Beispiel „Concerning Hobbits“ in der zweiten Hälfte dran sei, uff. Nach welchen Gesichtspunkten auch immer die Reihenfolge zusammengestellt wurde, es passte auf jeden Fall ganz hervorragend. Leider fehlten Pippins Solovortrag vor Denethor und Eowyns Gesang zur Beerdigung ihres Bruders, ansonsten blieb kein Wunsch unerfüllt. Auch die Zugabe der Trommelhobbits war spitze. Und bei „Into the West“ liefen mir planmäßig die Tränen über das Gesicht. Was will ich mehr?

Da hat sich der Howard Shore wirklich ein Denkmal gesetzt. Ich habe die Bücher auch erst zwischen dem ersten und dem zweiten Film gelesen, es hat selten bis nie eine Verfilmung gegeben, die mich derart beeindruckt und berührt hat. Soviel daran ist so perfekt und liebevoll und detailliert. Shore hat meiner Meinung nach die Seele der Bücher sehr authentisch vertont, und ich kann nur empfehlen, sich dieses Konzert zu gönnen.

Noch immer schwebend,

Caroona

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