Samstag, 29. März 2008

Begrifflichkeiten - Oder: Manchmal ist Sprache was Tolles, manchmal nicht

In einer sehr spannenden Debatte vor einer Weile kam ich in die Verlegenheit, über männliche und weibliche Eigenschaften zu sprechen. Oder aber auch nicht, denn zunächst hatte ich es mir verkniffen, weil ich mit diesen Begriffen grundsätzlich nicht richtig zufrieden bin, aber so schnell auch keine passenden anderen auf Lager hatte.

Jemand anderes wagte dann sinngemäß die Bemerkung "Die Worte männlich und weiblich haben für mich nichts mit Mann und Frau zu tun." Und ich dachte: Für mich irgendwie auch nicht. Wieder jemand anderes musste schwer grinsen: "Pruuust, womit soll denn männlich rein von der Wortbildung her was zu tun haben, wenn nicht mit Männern? Aahaha!" Stimmt natürlich auch wieder. Mist.

Ich bin da sicher nicht die erste und auch nicht die einzige und erst recht nicht die letzte, die sich in diesem Genderdingens verheddert und etwas schmollend auf die eigene Sprache guckt. Alternativvorschläge wie Yin und Yang haben für mich wenig emotionales Gewicht, außerdem müsste ich da für noch weniger Dao-Kundige als ich es schon bin, auch ewig einen Disclaimer hinterherschieben "Nämlich Yin ist, öhm warte mal, war das das Helle, und war jetzt das Helle männlich, oder nee,... Schiet! Also egal, was ich meine ist, .. äääääh..." Keine echte Option für mich.

Da schwingen ja in der Sprache auf diversen Ebenen diverse Emotionen bei der sprechenden und bei der hörenden Person mit, tausende Jahre Menschheitsgeschichte, etwas weniger Sprachgeschichte, persönliche Biographien der beteiligten Personen, das kann eigentlich nur ins Auge gehen. Oder halt in einem Minimalkonsens münden.

Meine ganz neue schriftliche Lösung: Tüdel. Mit Tüdeln, also "männlich" ist die sozial historische Variante, à la "Männer sind vom Mars und Frauen können nicht einparken" (oder so *harhar*) "Männlich" ist es demzufolge, beim Lesen einer Landkarte diese nicht dauernd in Fahrtrichtung hin und her zu drehen, sondern einfach mal schön mit dem Norden nach oben, wie ich das auch mache. "Weiblich" ist es, blind in den Kühlschrank greifen zu können und die Butter rauszuziehen, wie ich das auch mache. Und bitte, das sind nicht meine Beispiele, die kommen genau aus solchen Büchern. Jedesmal, wenn ich mir so einen "Ratgeber" antue, komme ich kopfschüttelnd wieder an die Oberfläche und frage mich, was mit meinen X-Chromosomen falsch gelaufen ist. Gut, ich kann schlecht einparken. Zugegeben. Aber sonst finde ich mich da nie so eindeutig wieder. Ich bin die geschlechtliche Grauzone, toll.

Und deswegen, da schließt sich der Kreis, sind diese dort beschriebenen und meiner Meinung nach bei vielen mitschwingenden Kategorien von aggressiven Männern und gluckenden Frauen für mich nicht gleichbedeutend mit der biologischen Tatsache Mann oder Frau. (Oder Hermaphrodit oder Transgender oderoderoder, die haben dann nochmal extra was an Disclaimern aufzulisten.)

Männlich (ohne Tüdel, die biologische Beschreibung) bedeutet dann XY-Chromosomenkombination, von außen mehr oder weniger erfolgreich gut sichtbar ausgeprägt, kann im Stehen pischern. Und meinetwegen passt dann hier auch die weibliche Göttin, die mit dem Füllhorn Früchte über der Erde ausschüttet und der Gott, den sie einmal im Jahr zur Befruchtung braucht. Also auch hier keine Tüdel.

Wenn aber irgendein Gott auf die Jagd geht oder einem anderen Gott eins auf die Mütze gibt, ist es nur "männlich", aber nicht männlich. Und wenn eine Göttin sich von einem Unterweltgott verschleppen lässt, ist diese Passivität nur "weiblich", aber nicht weiblich.

Mal sehen, wie gut ich in Zukunft mit den Tüdeln fahre. War jedenfalls mal wieder ein schöner Anlass über das alles nachzugrübeln.

Liebe Grüße,

Caroona
Bodecea - 30. Mrz, 10:47

Mh... kann man nicht statt männlich-weiblich einfach das sagen, was man von Fall zu Fall mein? Meinetwegen ist gut Kartenlesen etwas für Menschen mit logisch-abstraktem Vorstellugsvermögen (oder einfach: guter Kartenleseskill), einparken etwas für gute räumliche Koordinationsfähikeit, Passivität ist, äh, passiv .... und so weiter...

Yin-Yang sind mir aus dem TaiChi schon Begriffe, die aber eher was mit "Energiegedöns" zu tun haben, aber ich verbinde sie nicht mit Geschlechtern.

Caroona (anonym) - 30. Mrz, 11:56

Ja, im Grunde schon, mir geht es um die Gelegenheiten, bei denen ich schnell mal einen zusammenfassenden Schuhkarton brauche. Meine "männlichen" Eigenschaften, die ich nicht alle langatmig aufzählen will. Wenn ich von meiner Kartenlesefertigkeit berichte sge ich natürlich nicht, dass ich jetzt den Atlas ganz super "mannlich" in der Hand halte ;o)

So ähnlich wie ich mich manchmal direkt bei Loki beschwere, wenn er schon wieder an meinem Computer rumgefummelt hat, und manchmal wenn ich auf der grnen Wiese sitze, sage ich "Hallo Blob, schön ist die Welt!"

Liebe Grüße,

Caroona
EndlosFaden - 1. Apr, 00:00

also,

es gibt doch auch Frauen - weibliche Menschen -, die im Stehen pinschen (huch, erst mal las ich pinschern).
Kann es dann auch weibliches Tüdeln geben?
Poo, ich finde es auch immer anstrengen, erst zu erklären, was man unter weiblich-männlich im biologischen, soziologischen, psychologischen etc. Sinn versteht und welcher gerade gemeint ist.
Aber so ist das halt mit Sprache und den Metaebenen, und das nicht nur bei so etwas leichtem wie Männlich-Weiblich *seufz*

LG Endlosfaden

Caroona (anonym) - 1. Apr, 07:34

Hihi, den Einwand hatte ich befürchtet, während ich es tippte :o) Es ist alles noch viel komplizierter, näch? Es gibt auch Männer ohne Tüdel, die sich zum Sitzpischern überreden lassen. Was ist mit denen? Doofes Meta, doofes...

Winkewinke,

Caroona
queerbeet - 1. Apr, 14:55

ich werd das nie verstehen, warum es so wichtig ist, sich dauernd als eines von zwei geschlechtern zu definieren und dem außerdem noch eigenschaften zuzuordnen, möglichst bipolar, damit ja keine missverständnisse aufkommen.
für mich gibt es nicht nur schwarz und weiß, sondern unendliche viele graustufen und sogar bunte farben ;-)

die aussage, dass man "männlich" und "weiblich" nicht männern und frauen zuordnet, halte ich für selbsttäuschung, weil diese beiden worte genau das bezeichnen, männer und frauen und sich männlich fühlende menschen eigentlich immer beleidigt fühlen, wenn man ihnen etwas weibliches unterstellt.
was männlich und was weiblich ist, ist so austauschbar. unser system stammt aus der industriellen revolution. vorher stand es einem jungen mann gut an, empfindsam zu sein. yin-yang bestätigt unsere gängigen polaritäten. aber nur weil es buddhistisch ist, ist es nicht automatisch richtig und weise. *find* im hinduismus ist es genau umgekehrt, da ist das männliche ideal passiv und die frauen sind wild und ungezähmt (unhaltbarer zustand, klar), nur sind dort halt die ideale auch genau umgekehrt. offenbar sind solche zuschreibungen hauptsächlich dazu da, zu frauen bestimmte personen abzuwerten.

caroona - 1. Apr, 18:36

Das ist ja gerade das Problem. Ich bin keine Insel, ich kommuniziere halt manchmal mit der Außenwelt. Ich kann natürlich einfach das Eigenschaftenpaket caroonisch definieren, aber da weiß dann auperhalb meiner Person kaum jemand weiß, wovon ich rede. Ich bin auch nicht besonders glücklich darüber dass ich im Grunde auch mit Tüdeln das historische Dings weitertransportiere. Denn so wächst da auch die Sprache nicht aus dem Schlamassel raus.

Ich persönlich kam bisher aus jedem Quiz ziemlich als 50/50 Mix raus, insofern ärgert mich ja der gesamte Polaritätenkomplex auch. Ist es eine Lösung, solche Debatten an der Stelle abzubrechen? Ich erinnere mich nicht mehr genau, an welcher Stelle es zu der Bemerkung kam, dass männlich nicht zwingend mit Mann zu tun hat. Ob ich da nochmal nachgucke, oder die nächste Diskussion auf mich zukommen lasse?

Alles Liebe,

Caroona

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