Begrifflichkeiten - Oder: Manchmal ist Sprache was Tolles, manchmal nicht
In einer sehr spannenden Debatte vor einer Weile kam ich in die Verlegenheit, über männliche und weibliche Eigenschaften zu sprechen. Oder aber auch nicht, denn zunächst hatte ich es mir verkniffen, weil ich mit diesen Begriffen grundsätzlich nicht richtig zufrieden bin, aber so schnell auch keine passenden anderen auf Lager hatte.
Jemand anderes wagte dann sinngemäß die Bemerkung "Die Worte männlich und weiblich haben für mich nichts mit Mann und Frau zu tun." Und ich dachte: Für mich irgendwie auch nicht. Wieder jemand anderes musste schwer grinsen: "Pruuust, womit soll denn männlich rein von der Wortbildung her was zu tun haben, wenn nicht mit Männern? Aahaha!" Stimmt natürlich auch wieder. Mist.
Ich bin da sicher nicht die erste und auch nicht die einzige und erst recht nicht die letzte, die sich in diesem Genderdingens verheddert und etwas schmollend auf die eigene Sprache guckt. Alternativvorschläge wie Yin und Yang haben für mich wenig emotionales Gewicht, außerdem müsste ich da für noch weniger Dao-Kundige als ich es schon bin, auch ewig einen Disclaimer hinterherschieben "Nämlich Yin ist, öhm warte mal, war das das Helle, und war jetzt das Helle männlich, oder nee,... Schiet! Also egal, was ich meine ist, .. äääääh..." Keine echte Option für mich.
Da schwingen ja in der Sprache auf diversen Ebenen diverse Emotionen bei der sprechenden und bei der hörenden Person mit, tausende Jahre Menschheitsgeschichte, etwas weniger Sprachgeschichte, persönliche Biographien der beteiligten Personen, das kann eigentlich nur ins Auge gehen. Oder halt in einem Minimalkonsens münden.
Meine ganz neue schriftliche Lösung: Tüdel. Mit Tüdeln, also "männlich" ist die sozial historische Variante, à la "Männer sind vom Mars und Frauen können nicht einparken" (oder so *harhar*) "Männlich" ist es demzufolge, beim Lesen einer Landkarte diese nicht dauernd in Fahrtrichtung hin und her zu drehen, sondern einfach mal schön mit dem Norden nach oben, wie ich das auch mache. "Weiblich" ist es, blind in den Kühlschrank greifen zu können und die Butter rauszuziehen, wie ich das auch mache. Und bitte, das sind nicht meine Beispiele, die kommen genau aus solchen Büchern. Jedesmal, wenn ich mir so einen "Ratgeber" antue, komme ich kopfschüttelnd wieder an die Oberfläche und frage mich, was mit meinen X-Chromosomen falsch gelaufen ist. Gut, ich kann schlecht einparken. Zugegeben. Aber sonst finde ich mich da nie so eindeutig wieder. Ich bin die geschlechtliche Grauzone, toll.
Und deswegen, da schließt sich der Kreis, sind diese dort beschriebenen und meiner Meinung nach bei vielen mitschwingenden Kategorien von aggressiven Männern und gluckenden Frauen für mich nicht gleichbedeutend mit der biologischen Tatsache Mann oder Frau. (Oder Hermaphrodit oder Transgender oderoderoder, die haben dann nochmal extra was an Disclaimern aufzulisten.)
Männlich (ohne Tüdel, die biologische Beschreibung) bedeutet dann XY-Chromosomenkombination, von außen mehr oder weniger erfolgreich gut sichtbar ausgeprägt, kann im Stehen pischern. Und meinetwegen passt dann hier auch die weibliche Göttin, die mit dem Füllhorn Früchte über der Erde ausschüttet und der Gott, den sie einmal im Jahr zur Befruchtung braucht. Also auch hier keine Tüdel.
Wenn aber irgendein Gott auf die Jagd geht oder einem anderen Gott eins auf die Mütze gibt, ist es nur "männlich", aber nicht männlich. Und wenn eine Göttin sich von einem Unterweltgott verschleppen lässt, ist diese Passivität nur "weiblich", aber nicht weiblich.
Mal sehen, wie gut ich in Zukunft mit den Tüdeln fahre. War jedenfalls mal wieder ein schöner Anlass über das alles nachzugrübeln.
Liebe Grüße,
Caroona
Jemand anderes wagte dann sinngemäß die Bemerkung "Die Worte männlich und weiblich haben für mich nichts mit Mann und Frau zu tun." Und ich dachte: Für mich irgendwie auch nicht. Wieder jemand anderes musste schwer grinsen: "Pruuust, womit soll denn männlich rein von der Wortbildung her was zu tun haben, wenn nicht mit Männern? Aahaha!" Stimmt natürlich auch wieder. Mist.
Ich bin da sicher nicht die erste und auch nicht die einzige und erst recht nicht die letzte, die sich in diesem Genderdingens verheddert und etwas schmollend auf die eigene Sprache guckt. Alternativvorschläge wie Yin und Yang haben für mich wenig emotionales Gewicht, außerdem müsste ich da für noch weniger Dao-Kundige als ich es schon bin, auch ewig einen Disclaimer hinterherschieben "Nämlich Yin ist, öhm warte mal, war das das Helle, und war jetzt das Helle männlich, oder nee,... Schiet! Also egal, was ich meine ist, .. äääääh..." Keine echte Option für mich.
Da schwingen ja in der Sprache auf diversen Ebenen diverse Emotionen bei der sprechenden und bei der hörenden Person mit, tausende Jahre Menschheitsgeschichte, etwas weniger Sprachgeschichte, persönliche Biographien der beteiligten Personen, das kann eigentlich nur ins Auge gehen. Oder halt in einem Minimalkonsens münden.
Meine ganz neue schriftliche Lösung: Tüdel. Mit Tüdeln, also "männlich" ist die sozial historische Variante, à la "Männer sind vom Mars und Frauen können nicht einparken" (oder so *harhar*) "Männlich" ist es demzufolge, beim Lesen einer Landkarte diese nicht dauernd in Fahrtrichtung hin und her zu drehen, sondern einfach mal schön mit dem Norden nach oben, wie ich das auch mache. "Weiblich" ist es, blind in den Kühlschrank greifen zu können und die Butter rauszuziehen, wie ich das auch mache. Und bitte, das sind nicht meine Beispiele, die kommen genau aus solchen Büchern. Jedesmal, wenn ich mir so einen "Ratgeber" antue, komme ich kopfschüttelnd wieder an die Oberfläche und frage mich, was mit meinen X-Chromosomen falsch gelaufen ist. Gut, ich kann schlecht einparken. Zugegeben. Aber sonst finde ich mich da nie so eindeutig wieder. Ich bin die geschlechtliche Grauzone, toll.
Und deswegen, da schließt sich der Kreis, sind diese dort beschriebenen und meiner Meinung nach bei vielen mitschwingenden Kategorien von aggressiven Männern und gluckenden Frauen für mich nicht gleichbedeutend mit der biologischen Tatsache Mann oder Frau. (Oder Hermaphrodit oder Transgender oderoderoder, die haben dann nochmal extra was an Disclaimern aufzulisten.)
Männlich (ohne Tüdel, die biologische Beschreibung) bedeutet dann XY-Chromosomenkombination, von außen mehr oder weniger erfolgreich gut sichtbar ausgeprägt, kann im Stehen pischern. Und meinetwegen passt dann hier auch die weibliche Göttin, die mit dem Füllhorn Früchte über der Erde ausschüttet und der Gott, den sie einmal im Jahr zur Befruchtung braucht. Also auch hier keine Tüdel.
Wenn aber irgendein Gott auf die Jagd geht oder einem anderen Gott eins auf die Mütze gibt, ist es nur "männlich", aber nicht männlich. Und wenn eine Göttin sich von einem Unterweltgott verschleppen lässt, ist diese Passivität nur "weiblich", aber nicht weiblich.
Mal sehen, wie gut ich in Zukunft mit den Tüdeln fahre. War jedenfalls mal wieder ein schöner Anlass über das alles nachzugrübeln.
Liebe Grüße,
Caroona
caroona - 29. Mrz, 12:14
