Die Frauen haben es selbst verbockt
In letzter Zeit gab es aus gegebenem Anlass immer wieder online und RL Debatten zum Thema "Wer verkorkst eigentlich unsere Kinder?" Und ein gerne herbeigezerrtes Argument ist: In Kindergärten und Schulen sehen sich die Kinder und Jugendlichen mehrheitlich Frauen gegenüber. Außerdem sind ja immer noch meist die Mütter als Hausfrauen, Alleinerziehende (dem Vater die Kinder Entziehende?), Teilzeitarbeitende oder zur Not doppelbelastet ganztagsarbeitende Rabenmütter zuständig für die Familienarbeit und damit die Erziehung. Logische Schlussfolgerung: Wenn in der Kriminalstatistik männliche Jugendliche signifikant mehr Gewalttaten verüben, sind im Prinzip die prägenden Frauen verantwortlich.
Da bekomme ich, gelinde gesagt, einen Hals.
Erstens würde sich manche (Ich gebe zu, nicht jede!) Mutter sehr über gesteigerten Einsatz des Erzeugers freuen und nicht nur der Art "Wir gehen mal am Samstag Nachmittag auf den Bolzplatz." Wie die realen Zahlen aussehen, wie oft nach einer Scheidung der Vater finanziell ausgezogen wird bei gleichzeitiger Vorenthaltung der Kinder, weiß ich nicht. Ich höre allerdings in meinem Umfeld auch gegenteilige Geschichten, bei denen der Ex sich vor Zahlungen drückt und sich auch sonst eher nicht für seine Kinder interessiert. Um da wirklich eine Aussage zu machen, müsste ich aber wie gesagt, die Gesamtsituation kennen.
Zweitens, nicht ganz ohne mich selbst betroffen zu fühlen: Berufe im Bereich Erziehung und Bildung sind nicht besonders berauschend vergütet und auch nicht so doll in der generellen Anerkennung. In meinem Bundesland ist es nicht ungewöhnlich, dass in Grundschulen und Hauptschulen berufsfremde Menschen als Hilfslehrkräfte eingesetzt werden, um Geld zu sparen und die Statistiken zu schönen, denn haha: "Jede Stunde zählt!" Das führt schleichend zu der Annahme: Unterrichten kann jedeR. Generell lässt sich sagen, dass der Anteil der Männer in einer Sparte umgekehrt proportional ist zum Gehalt und zum Prestige. Da nun rumzutönen, warum nur so eine erschlagende Menge an Frauen auf unsere Kinder losgelassen wird, ist ein bisschen unangebracht. Sollen doch die Männer, denen das nicht passt, mit gutem Beispiel vorangehen und sich mal eine Runde vor desillusionierte HauptschülerInnen stellen und denen versuchen, ein Stück Fundament für eine gute Zukunft mitzugeben. Darauf warte ich.
Drittens: Mag ja überraschend sein, aber unsere Kinder kommen meist schon mächtig vorgeprägt in Kindergärten und Schulen an. Das gelebte Rollenverständnis der Eltern, wie auch immer es aussieht, ist nur der erste Schritt auf dem Weg zum Feministen oder patriarchalen Dummbacken. Unsere Kultur ist getränkt von Medien: Fernsehen, Internet, Computerspiele, visueller Werbung in Plakatform und in Printmedien und nicht zuletzt Musik. Ich bin die letzte, die sagt: Ballerspiele machen aus einem lieben kleinen Jungen einen Amokläufer. Ich kenne genug friedliebende Menschen mit einem WOW-Account, die sich seltsamerweise dadurch nicht irgendwie verändert haben.
Aber: Als Gesamtpaket lässt sich mit dieser Beschallung durchaus auch eine Message vermitteln. Wenn ich mir überlege, ich trete in Konkurrenz zu, sagen wir mal, wen nehme ich denn, na meinetwegen: Sido. Und ich versuche, den Jungs zu erklären, dass Vergewaltigung nichts, aber auch gar nichts Witziges an sich hat. Überlegen wir mal, hier die Lehrerin, da der Rebell mit Maske und ohne Hemmungen, wer hat wohl den höheren Coolnessfaktor? Wer hat wohl hier Chancen, die eigene Botschaft rüber zu bringen? Nebenbei, ich unterstelle Sido nicht mal, dass seine Botschaft "Vergewaltigung ist witzig" lautet. Aber ich mache mir echt keine Illusionen, dass ich bei denjenigen, die diese Botschaft mitnehmen wollen, irgendwas dagegen ausrichten kann.
Tja, schließlich ist dann zu fragen: Wer hat im Mediengewurschtel denn den lautesten Anteil? Die Frauen? Hmmmmmmm.... Mir geht es gar nicht darum, hier groß abzuleiten: Aha, die Männer sind doch schuld! Die Lage ist viel zu deprimierend, als dass ich mich übers Rechthaben irgendwie freuen könnte. Mich regt das anfangs zitierte "Argument" auf, weil es eine Nebelbombe und sowas von überhaupt nicht hilfreich ist. Und dann die Folgejaulerei: Die armen Jungs, das verkannte Geschlecht, die Bildungsverlierer, wie können wir ihnen nur helfen? Eher selten: Die armen erschossenen Mädchen, wie hätten wir das verhindern können? Wie sollen wir das den Familien erklären? Warum müssen diese jetzt auch noch allerorten lesen, dass die Täter ja eiiiigentlich auch immer irgendwo, doch, schon, so ansatzweise auch Opfer waren?
Mir ginge es deutlich besser, wenn ich wüsste, was genau denn nun die Lösung des Schmassels ist. Da ist soviel Henne-und-Ei mit drin und soviel "Ich will die Dinge anders, aber nicht meinen eigenen Status Quo aufgeben".
Und wie ich dazu komme, gleichzeitig zu unterstellen, die mediale Umgebung habe einen prägenden Einfluss und andererseits Männerbands wie Cannibal Corpse durchaus erheiternde Anteile zuzugestehen, ohne dass ich jetzt dadurch der turbogewalttätige Mensch geworden bin, damit bin ich auch noch nicht so recht durch.
Alles Liebe,
Caroona
Da bekomme ich, gelinde gesagt, einen Hals.
Erstens würde sich manche (Ich gebe zu, nicht jede!) Mutter sehr über gesteigerten Einsatz des Erzeugers freuen und nicht nur der Art "Wir gehen mal am Samstag Nachmittag auf den Bolzplatz." Wie die realen Zahlen aussehen, wie oft nach einer Scheidung der Vater finanziell ausgezogen wird bei gleichzeitiger Vorenthaltung der Kinder, weiß ich nicht. Ich höre allerdings in meinem Umfeld auch gegenteilige Geschichten, bei denen der Ex sich vor Zahlungen drückt und sich auch sonst eher nicht für seine Kinder interessiert. Um da wirklich eine Aussage zu machen, müsste ich aber wie gesagt, die Gesamtsituation kennen.
Zweitens, nicht ganz ohne mich selbst betroffen zu fühlen: Berufe im Bereich Erziehung und Bildung sind nicht besonders berauschend vergütet und auch nicht so doll in der generellen Anerkennung. In meinem Bundesland ist es nicht ungewöhnlich, dass in Grundschulen und Hauptschulen berufsfremde Menschen als Hilfslehrkräfte eingesetzt werden, um Geld zu sparen und die Statistiken zu schönen, denn haha: "Jede Stunde zählt!" Das führt schleichend zu der Annahme: Unterrichten kann jedeR. Generell lässt sich sagen, dass der Anteil der Männer in einer Sparte umgekehrt proportional ist zum Gehalt und zum Prestige. Da nun rumzutönen, warum nur so eine erschlagende Menge an Frauen auf unsere Kinder losgelassen wird, ist ein bisschen unangebracht. Sollen doch die Männer, denen das nicht passt, mit gutem Beispiel vorangehen und sich mal eine Runde vor desillusionierte HauptschülerInnen stellen und denen versuchen, ein Stück Fundament für eine gute Zukunft mitzugeben. Darauf warte ich.
Drittens: Mag ja überraschend sein, aber unsere Kinder kommen meist schon mächtig vorgeprägt in Kindergärten und Schulen an. Das gelebte Rollenverständnis der Eltern, wie auch immer es aussieht, ist nur der erste Schritt auf dem Weg zum Feministen oder patriarchalen Dummbacken. Unsere Kultur ist getränkt von Medien: Fernsehen, Internet, Computerspiele, visueller Werbung in Plakatform und in Printmedien und nicht zuletzt Musik. Ich bin die letzte, die sagt: Ballerspiele machen aus einem lieben kleinen Jungen einen Amokläufer. Ich kenne genug friedliebende Menschen mit einem WOW-Account, die sich seltsamerweise dadurch nicht irgendwie verändert haben.
Aber: Als Gesamtpaket lässt sich mit dieser Beschallung durchaus auch eine Message vermitteln. Wenn ich mir überlege, ich trete in Konkurrenz zu, sagen wir mal, wen nehme ich denn, na meinetwegen: Sido. Und ich versuche, den Jungs zu erklären, dass Vergewaltigung nichts, aber auch gar nichts Witziges an sich hat. Überlegen wir mal, hier die Lehrerin, da der Rebell mit Maske und ohne Hemmungen, wer hat wohl den höheren Coolnessfaktor? Wer hat wohl hier Chancen, die eigene Botschaft rüber zu bringen? Nebenbei, ich unterstelle Sido nicht mal, dass seine Botschaft "Vergewaltigung ist witzig" lautet. Aber ich mache mir echt keine Illusionen, dass ich bei denjenigen, die diese Botschaft mitnehmen wollen, irgendwas dagegen ausrichten kann.
Tja, schließlich ist dann zu fragen: Wer hat im Mediengewurschtel denn den lautesten Anteil? Die Frauen? Hmmmmmmm.... Mir geht es gar nicht darum, hier groß abzuleiten: Aha, die Männer sind doch schuld! Die Lage ist viel zu deprimierend, als dass ich mich übers Rechthaben irgendwie freuen könnte. Mich regt das anfangs zitierte "Argument" auf, weil es eine Nebelbombe und sowas von überhaupt nicht hilfreich ist. Und dann die Folgejaulerei: Die armen Jungs, das verkannte Geschlecht, die Bildungsverlierer, wie können wir ihnen nur helfen? Eher selten: Die armen erschossenen Mädchen, wie hätten wir das verhindern können? Wie sollen wir das den Familien erklären? Warum müssen diese jetzt auch noch allerorten lesen, dass die Täter ja eiiiigentlich auch immer irgendwo, doch, schon, so ansatzweise auch Opfer waren?
Mir ginge es deutlich besser, wenn ich wüsste, was genau denn nun die Lösung des Schmassels ist. Da ist soviel Henne-und-Ei mit drin und soviel "Ich will die Dinge anders, aber nicht meinen eigenen Status Quo aufgeben".
Und wie ich dazu komme, gleichzeitig zu unterstellen, die mediale Umgebung habe einen prägenden Einfluss und andererseits Männerbands wie Cannibal Corpse durchaus erheiternde Anteile zuzugestehen, ohne dass ich jetzt dadurch der turbogewalttätige Mensch geworden bin, damit bin ich auch noch nicht so recht durch.
Alles Liebe,
Caroona
caroona - 14. Apr, 11:33
