Schuld und Schwäche?
Wenn es die Frauen gar nicht selbst verbockt haben, wer war es dann? Hat es überhaupt jemand wissentlich und/oder willentlich verbockt? Ich mache mir keine Illusionen, dass ich dieses komplexe Thema wirklich und schlüssig für mich befriedigend aufdröseln kann. Aber einige Argumente von diversen Seiten der Debatte finde ich schwierig.
Zunächst die Sparte Feministinnen, die sagt "Tausende Jahre lang wurden die Frauen unterdrückt, auch heute noch knechtet uns das Patriarchat, oh weh oh jemineh" Ich möchte mich nicht so als Opfer sehen, weder als Opfer der mich umgebenden Männer noch als Opfer des Systems. Natürlich ist mir bewusst, dass Traditionen und Konventionen machtvolle Instrumente sind, die sich nicht mit einem Fingerschnippen beseitigen lassen. Dass es durchaus reale Abhängigkeiten und Ängste gibt und die finanzielle Lage der Frauen weltweit ihnen statistisch gesehen weniger Macht gibt. Aber trotzdem bleibt für mich manchmal der Nachgeschmack, dass in dieser Sicht Frauen weniger stark sind. Und dass es auch für die Zukunft wenig Hoffnung gibt, etwas zu ändern. Denn oft erschöpfen sich diese Tiraden im Jammern. Als Sachanalyse ist es natürlich berechtigt zu gucken, wie denn die Macht historisch und momentan verteilt war und ist. Nur ist das geeignet, die Schuldfrage zu lösen? Ist sie überhaupt lösbar? Ist es weiterbringend, wenn wir die Schuldigen ausgemacht haben?
Im Gegenteil tönt es von manchen Männern (und manchen nicht sonderlich loyalen Frauen): "Tjaha, schön blöd, wenn die Frauen das so mit sich machen lassen, und eben drum selbst Schuld" Schon praktisch sich darauf auszuruhen, dass die Frauen im Lauf der Geschichte aus Dummheit oder aus sonstigem charakterlichem Defizit heraus wider besseres Wissen nicht agiert haben, obwohl sie es hätten tun können. Wenn die Ausgangssituation durch welchem Umstand auch immer asymmetrisch ist, muss erst einmal eine Menge passieren, bis das wieder umkippt. Genauso, wie es unfair wäre, unterdrückte ethnische Gruppen selbst für ihre entmachtete Lage verantwortlich zu machen. Wobei das natürlich durchaus auch vorkam, die Sklaven sind halt mal nicht so intelligent, quasi genetisch zum Dienen prädestiniert und so weiter. Entsprechend ist das vielbeschworen "schwache Geschlecht" anscheinend nicht zur gleichberechtigten Teilhabe an der Macht und der Welt geschaffen. Also diese Kehrseite der Medaille schmeckt mir auch nicht.
Ich halte Frauen nicht für generell schwächer. Nicht zuletzt, weil ich mich selbst nicht als schwach empfinde. In einem ganz anderen Zusammenhang las ich, dass in einer Beziehung zwischen zwei männlichen Charakteren einer Serie, keiner der beiden "die Frau" sei. Schon alleine daran zu sehen, dass auch der von der beruflichen Stellung her Unterlegene eine "ruhige innere Stärke" habe, was ja deutlich unfeminin sei. Ich gehe davon aus, dass dies eine Unterhaltung zwischen zwei Frauen war und da geht mir echt der Hut hoch. Was ist an Stärke bitteschön unfeminin? Das führt mich zu der alten Dauerschleife "Was heißt das eigentlich: Weiblich und männlich?" und "Perpetuiere ich mit solchen Überlegungen etwa genau das Stereotyp, was ich am liebsten mit dem großen Radiergummi abschaffen würde?" Es ist ja schön und gut, dass sich jemand Gedanken macht, ob gleichgeschlechtliche Beziehungen in die Heteroschablone reingehämmert werden müssen, aber als Frau da auf meine eigenen Kosten die Männer scheinbar aufzuwerten, indem ich versichere, dass - nein nein - keiner von ihnen diese Anteile hat, die "man" halt so als weiblich definiert? Tz.
Es ging auch allen Ernstes darum, ob der eine den anderen auf Händen tragen könnte. Sie sind beide circa gleich groß, ergo gleich schwer, ergo nicht zu stemmen, ergo ist keiner "die Frau". Ich stelle mir gerade vor, wie mich Dr Evil durch die Gegend schleppt. Hust. Er wiegt zwar weniger als ich, aber darum geht es gar nicht. Sondern dass getragen werden, dünn sein, zierlich sein, überhaupt in die Verlegenheit zu kommen, getragen werden zu müssen, weiblich ist. Und tragen, retten, stark sein ist natürlich männlich. Aha. Vielleicht habe ich das nicht ausreichend im Blick als nicht besonders kleine und nicht sonderlich dünne Person, ob unfreiwillig kurze und leichte Menschen notwendig körperlich unterlegen sind. Selbst das halte ich aber nicht für zwingend.
Was mich am meisten vergrätzt ist das Hin- und Herschalten, das oftmals beide Seiten betreiben. Wenn es um die Schuld an der Misere geht, sind die Frauen schwache Figuren, ansonsten natürlich die besseren Menschen, mann lässt sie nur nicht. Aber natürlich sind sie im Prinzip für Machtpositionen genauso gut geeignet, weil sie ja schon irgendwie stark sind, also irgendwie im Grunde, wenn sie nicht unterdrückt sind. Alternativ sind Frauen dann stark, wenn sie die armen Jungs für das Patriarchat indoktrinieren oder eventuell einfach nur verunsichern, so dass diesen keine andere Wahl bleibt, als Machosackgesichter zu werden. Ansonsten sind Frauen zu nix zu gebrauchen, sieht man ja, die Merkel kriegt nicht mal ihre Frisur in den Griff. Ahahaha. Also wie auch immer, die Frauen sind stark oder schwach, hauptsache schuld. (Genauso eine Story könnte ich für die Männer schreiben, die gleichzeitig die großen Unterdrücker sowie ihren Hormonen unterlegen und damit auch permanent schuld sind, aber das war nicht das Thema der heutigen Predigt.)
Da stehe ich also am Rand der Arena und raufe mir die Haare und muss zugeben, dass ich leider weder das Riesenradiergummi in der Tasche habe, noch den Zauberstab, der endlich Einsicht von Himmel rieseln lässt. Wenn ich jetzt sagte, okay, ich gehe in die Politik und räume den Laden mal so richtig auf, dann hätte ich vermutlich nicht gerade die überwältigende Stimmenmehrheit zu erwarten, für eine Diktatur fehlt mir dann doch die Skrupellosigkeit und das ist auch sehr viel Aufwand, da immer den Deckel draufzuhalten. Plus, ich habe - Asche auf mein Haupt - kein wirklich ausgegorenes Rezept, das käme spätestens dann, wenn ich echt König von Deutschland wär nicht so gut: Jo, liebe UntertanInnen, ich weiß zwar genau, was ich doof finde, aber wie wir meinen Gegenentwurf solide in den Köpfen und vor allem den Herzen verankern, ööööööööööööhm... Was mir bleibt, ist den Jugendlichen in der Schule jeden Tag zu demonstrieren, dass eine Frau stark und kompetent sein kann, dass es nirgends geschrieben steht, dass wir uns allen Konventionen anpassen müssen und dass der Himmel uns nicht auf dem Kopf fällt, wenn ich das mache, was ich für richtig halte und nicht das, was sich gehört. Und mich der leisen Hoffnung hinzugeben, dass die wenigstens ein klitzekleines bisschen an Aha-Erlebnis mitnehmen. Diese Alltagspolitik der klitzekleinen Schritte ist aber harte Kost für ein ungeduldiges Gemüt.
Blick auf den Kalender: Menno, Ferien vorbei. Wie passend.
Alles Liebe,
Caroona
Zunächst die Sparte Feministinnen, die sagt "Tausende Jahre lang wurden die Frauen unterdrückt, auch heute noch knechtet uns das Patriarchat, oh weh oh jemineh" Ich möchte mich nicht so als Opfer sehen, weder als Opfer der mich umgebenden Männer noch als Opfer des Systems. Natürlich ist mir bewusst, dass Traditionen und Konventionen machtvolle Instrumente sind, die sich nicht mit einem Fingerschnippen beseitigen lassen. Dass es durchaus reale Abhängigkeiten und Ängste gibt und die finanzielle Lage der Frauen weltweit ihnen statistisch gesehen weniger Macht gibt. Aber trotzdem bleibt für mich manchmal der Nachgeschmack, dass in dieser Sicht Frauen weniger stark sind. Und dass es auch für die Zukunft wenig Hoffnung gibt, etwas zu ändern. Denn oft erschöpfen sich diese Tiraden im Jammern. Als Sachanalyse ist es natürlich berechtigt zu gucken, wie denn die Macht historisch und momentan verteilt war und ist. Nur ist das geeignet, die Schuldfrage zu lösen? Ist sie überhaupt lösbar? Ist es weiterbringend, wenn wir die Schuldigen ausgemacht haben?
Im Gegenteil tönt es von manchen Männern (und manchen nicht sonderlich loyalen Frauen): "Tjaha, schön blöd, wenn die Frauen das so mit sich machen lassen, und eben drum selbst Schuld" Schon praktisch sich darauf auszuruhen, dass die Frauen im Lauf der Geschichte aus Dummheit oder aus sonstigem charakterlichem Defizit heraus wider besseres Wissen nicht agiert haben, obwohl sie es hätten tun können. Wenn die Ausgangssituation durch welchem Umstand auch immer asymmetrisch ist, muss erst einmal eine Menge passieren, bis das wieder umkippt. Genauso, wie es unfair wäre, unterdrückte ethnische Gruppen selbst für ihre entmachtete Lage verantwortlich zu machen. Wobei das natürlich durchaus auch vorkam, die Sklaven sind halt mal nicht so intelligent, quasi genetisch zum Dienen prädestiniert und so weiter. Entsprechend ist das vielbeschworen "schwache Geschlecht" anscheinend nicht zur gleichberechtigten Teilhabe an der Macht und der Welt geschaffen. Also diese Kehrseite der Medaille schmeckt mir auch nicht.
Ich halte Frauen nicht für generell schwächer. Nicht zuletzt, weil ich mich selbst nicht als schwach empfinde. In einem ganz anderen Zusammenhang las ich, dass in einer Beziehung zwischen zwei männlichen Charakteren einer Serie, keiner der beiden "die Frau" sei. Schon alleine daran zu sehen, dass auch der von der beruflichen Stellung her Unterlegene eine "ruhige innere Stärke" habe, was ja deutlich unfeminin sei. Ich gehe davon aus, dass dies eine Unterhaltung zwischen zwei Frauen war und da geht mir echt der Hut hoch. Was ist an Stärke bitteschön unfeminin? Das führt mich zu der alten Dauerschleife "Was heißt das eigentlich: Weiblich und männlich?" und "Perpetuiere ich mit solchen Überlegungen etwa genau das Stereotyp, was ich am liebsten mit dem großen Radiergummi abschaffen würde?" Es ist ja schön und gut, dass sich jemand Gedanken macht, ob gleichgeschlechtliche Beziehungen in die Heteroschablone reingehämmert werden müssen, aber als Frau da auf meine eigenen Kosten die Männer scheinbar aufzuwerten, indem ich versichere, dass - nein nein - keiner von ihnen diese Anteile hat, die "man" halt so als weiblich definiert? Tz.
Es ging auch allen Ernstes darum, ob der eine den anderen auf Händen tragen könnte. Sie sind beide circa gleich groß, ergo gleich schwer, ergo nicht zu stemmen, ergo ist keiner "die Frau". Ich stelle mir gerade vor, wie mich Dr Evil durch die Gegend schleppt. Hust. Er wiegt zwar weniger als ich, aber darum geht es gar nicht. Sondern dass getragen werden, dünn sein, zierlich sein, überhaupt in die Verlegenheit zu kommen, getragen werden zu müssen, weiblich ist. Und tragen, retten, stark sein ist natürlich männlich. Aha. Vielleicht habe ich das nicht ausreichend im Blick als nicht besonders kleine und nicht sonderlich dünne Person, ob unfreiwillig kurze und leichte Menschen notwendig körperlich unterlegen sind. Selbst das halte ich aber nicht für zwingend.
Was mich am meisten vergrätzt ist das Hin- und Herschalten, das oftmals beide Seiten betreiben. Wenn es um die Schuld an der Misere geht, sind die Frauen schwache Figuren, ansonsten natürlich die besseren Menschen, mann lässt sie nur nicht. Aber natürlich sind sie im Prinzip für Machtpositionen genauso gut geeignet, weil sie ja schon irgendwie stark sind, also irgendwie im Grunde, wenn sie nicht unterdrückt sind. Alternativ sind Frauen dann stark, wenn sie die armen Jungs für das Patriarchat indoktrinieren oder eventuell einfach nur verunsichern, so dass diesen keine andere Wahl bleibt, als Machosackgesichter zu werden. Ansonsten sind Frauen zu nix zu gebrauchen, sieht man ja, die Merkel kriegt nicht mal ihre Frisur in den Griff. Ahahaha. Also wie auch immer, die Frauen sind stark oder schwach, hauptsache schuld. (Genauso eine Story könnte ich für die Männer schreiben, die gleichzeitig die großen Unterdrücker sowie ihren Hormonen unterlegen und damit auch permanent schuld sind, aber das war nicht das Thema der heutigen Predigt.)
Da stehe ich also am Rand der Arena und raufe mir die Haare und muss zugeben, dass ich leider weder das Riesenradiergummi in der Tasche habe, noch den Zauberstab, der endlich Einsicht von Himmel rieseln lässt. Wenn ich jetzt sagte, okay, ich gehe in die Politik und räume den Laden mal so richtig auf, dann hätte ich vermutlich nicht gerade die überwältigende Stimmenmehrheit zu erwarten, für eine Diktatur fehlt mir dann doch die Skrupellosigkeit und das ist auch sehr viel Aufwand, da immer den Deckel draufzuhalten. Plus, ich habe - Asche auf mein Haupt - kein wirklich ausgegorenes Rezept, das käme spätestens dann, wenn ich echt König von Deutschland wär nicht so gut: Jo, liebe UntertanInnen, ich weiß zwar genau, was ich doof finde, aber wie wir meinen Gegenentwurf solide in den Köpfen und vor allem den Herzen verankern, ööööööööööööhm... Was mir bleibt, ist den Jugendlichen in der Schule jeden Tag zu demonstrieren, dass eine Frau stark und kompetent sein kann, dass es nirgends geschrieben steht, dass wir uns allen Konventionen anpassen müssen und dass der Himmel uns nicht auf dem Kopf fällt, wenn ich das mache, was ich für richtig halte und nicht das, was sich gehört. Und mich der leisen Hoffnung hinzugeben, dass die wenigstens ein klitzekleines bisschen an Aha-Erlebnis mitnehmen. Diese Alltagspolitik der klitzekleinen Schritte ist aber harte Kost für ein ungeduldiges Gemüt.
Blick auf den Kalender: Menno, Ferien vorbei. Wie passend.
Alles Liebe,
Caroona
caroona - 21. Apr, 11:55
endlosfaden (Gast) - 23. Apr, 23:34
*gacker*
ey, bissu nisch Opfa... aber kannstu auch voll nisch was für deine Intelligentheit, oda
nee, aber auch... *g* LG
nee, aber auch... *g* LG

Ich mag ja kein Opfer sein (... ey binnisch kein Opfer weiss du ...), aber da draußen rennen viele Täter rum, leider.