CCS? Wassn das?
Nein, hier geht es nicht um Cascading Style Sheets in Verbindung mit Caroonas verwirrten Wurstfingern, sondern um Carbon Dioxide Capture and Storage, das Abscheiden von Kohlenstoffdioxid aus Schloten (auf verschiedenen Wegen) und die anschließende Unterbringung im Erdboden. Super Sache, schon auf den ersten Blick. Schritt A: Werbung rieselt auf uns ein. Schritt B: Wir müssen andauernd irgendwelche elektrischen Geräte betreiben und irgendwelche Produkte erwerben. Schritt C: Dabei entsteht jede Menge CO2, es sei denn, wir sind bei Ökostromproduzenten und gucken nach dem Rucksack der Produkte. Schritt D: Das entstehende CO2 ist uns kein Anlass, Schritt A bis C zu überdenken, sondern zu gucken, wo wir es praktisch unter den Teppich stopfen könnnen. Na bravo.
Nicht nur, dass die ganze Aktion von Anfang an ziemlich halbseiden aussieht, es ergeben sich auch für chemisch und geologisch nur ansatzweise bewanderte und halbwegs kritische Geister ein paar vorauszusehende Probleme:
CO2 wird beim CCS im überkritischen Zustand in tiefe Schichten verbracht. Das Ergebnis ist ein relativ starkes Lösungsmittel, das zum Beispiel auch zum Entkoffeinieren von Kaffee verwendet wird. Hmmmmm. Ob das nun so eine tolle Idee für Bodenbestandteile und vor allem Bodenflora und -fauna ist? So als Bakterium wär mir das nicht so recht, wenn ich plötzlich extrem durchgereinigt würde.
Boden ist meistens irgendwie irgendwo porös. Was ich unter großem Druck reinpresse, vor allem wenn da schon was anderes ist, sucht sich seinen Weg wieder raus. Nun ist CO2 schwerer als Luft und zweitens ersticken Mensch und Tier daran, wenn die Konzentration zu hoch ist. Sollten also irgendwann die Kühe auf der Weide umkippen, ist eventuell kein neues exotisches Virus und kein Alien schuld, sondern die liebe Industrie, die einfach nur mal aus der Nettigkeit ihres Herzens heraus das Klima retten wollte.
Ist die gewählte Örtlichkeit nicht porös, kann es passieren, dass das CO2 mit Wasser zu Kohlensäure reagiert, die Carbonate auflöst und sich damit Poren schafft. Wer behauptet, das Wasser im Boden würde durch das CO2 verdrängt, erzählt nur die halbe Geschichte: Es bleibt garantiert an Bodenmineraloberflächen Wasser adsorbiert, und genau da kann dann sie Säurebildung stattfinden und sich vor Ort einen Weg fressen.
Die unter den Bedingungen der CCS gebildete Kohlensäure ist auch aggressiv gegen Gummidichtungen. Ausgebeutete Gasfelder sind zwar relativ sicher, weil sie Millionen Jahre dicht gehalten hatten, aber auf die Dichtungen muss halt doch dann und wann mal geguckt werden.
Was passiert, wenn Bergbau unterirdische Gleichgewichte durcheinanderwirbelt, konnten wir auch in den letzten Wochen ganz herrlich beobachten.
Und dann ist auch noch folgende Frage: Was wird aus dem Grundwasser, wenn da irgendwelche Substanzen ausgelöst und mitgerissen werden?
Selbst wenn alle meine oben gelisteten Befürchtungen wissenschaftlich unhaltbar wären, ich finde es insgesamt immer eine ganz dumme Idee, in großem Maßstab ein Umweltkompartiment grundsätzlich zu verändern. Die Atmosphäre haben wir schon ordentlich in Anspruch genommen, auf den Ozeanen treiben Herden von Plastikentchen, Delphine haben Pestizide im Blut eingelagert, jetzt mal wieder der Boden dran. Und was erstmal irgendwo reingemurkst worden ist, kann nachher kaum wieder rausgeholt werden. Im Eimer ist im Eimer.
Unter anderem ist der Plan, dass Kohlenstoffdioxid durch Pipelines zum Beispiel die wenigen 600 km von Köln nach Schleswig Holstein mit 200 bar gepumpt und dort eingepresst wird. Unser lieber Ministerpräsident dachte sich anscheinend, was ne feine Idee, wir haben hier zwar einen hohen Anteil an Windkraftanlagen, aber ein großes Loch in der Kasse, also her mit Eurem Treibhausgas, kein Problem, hier ist Teppich genug zum Drunterschubsen. Immer her mit dem guten Zeug. Kanzlerin Merkel scherzte, dass wir uns dann demnächst wohl vor Mineralwasser mit Kribbel fürchten müssen.
Ich würde mich genauso aufregen, wenn es nicht in meiner Nähe geplant wäre. In Brandenburg ist auch was geplant genauso wie in Süddeutschland und ein paar Flecken in der Mitte. Ich habe gar nicht so viele Haare wie ich mir ausraufen möchte.
Wieso lernen die Menschen eigentlich nicht? Wieso ist der offensichtliche Weg der regenerativen Energien so schwierig zu beschreiten? Wieso soll uns hier ein neues Kohlekraftwerk der alten Garde auf die Wiese gesetzt werden? Achso, haha: Da braucht dann das CO2 nicht so weit gepumpt zu werden. Ich Einfaltspinselin, hätt ich doch gleich drauf kommen müssen.
Schwer angestrengte Grüße,
Caroona
Nicht nur, dass die ganze Aktion von Anfang an ziemlich halbseiden aussieht, es ergeben sich auch für chemisch und geologisch nur ansatzweise bewanderte und halbwegs kritische Geister ein paar vorauszusehende Probleme:
CO2 wird beim CCS im überkritischen Zustand in tiefe Schichten verbracht. Das Ergebnis ist ein relativ starkes Lösungsmittel, das zum Beispiel auch zum Entkoffeinieren von Kaffee verwendet wird. Hmmmmm. Ob das nun so eine tolle Idee für Bodenbestandteile und vor allem Bodenflora und -fauna ist? So als Bakterium wär mir das nicht so recht, wenn ich plötzlich extrem durchgereinigt würde.
Boden ist meistens irgendwie irgendwo porös. Was ich unter großem Druck reinpresse, vor allem wenn da schon was anderes ist, sucht sich seinen Weg wieder raus. Nun ist CO2 schwerer als Luft und zweitens ersticken Mensch und Tier daran, wenn die Konzentration zu hoch ist. Sollten also irgendwann die Kühe auf der Weide umkippen, ist eventuell kein neues exotisches Virus und kein Alien schuld, sondern die liebe Industrie, die einfach nur mal aus der Nettigkeit ihres Herzens heraus das Klima retten wollte.
Ist die gewählte Örtlichkeit nicht porös, kann es passieren, dass das CO2 mit Wasser zu Kohlensäure reagiert, die Carbonate auflöst und sich damit Poren schafft. Wer behauptet, das Wasser im Boden würde durch das CO2 verdrängt, erzählt nur die halbe Geschichte: Es bleibt garantiert an Bodenmineraloberflächen Wasser adsorbiert, und genau da kann dann sie Säurebildung stattfinden und sich vor Ort einen Weg fressen.
Die unter den Bedingungen der CCS gebildete Kohlensäure ist auch aggressiv gegen Gummidichtungen. Ausgebeutete Gasfelder sind zwar relativ sicher, weil sie Millionen Jahre dicht gehalten hatten, aber auf die Dichtungen muss halt doch dann und wann mal geguckt werden.
Was passiert, wenn Bergbau unterirdische Gleichgewichte durcheinanderwirbelt, konnten wir auch in den letzten Wochen ganz herrlich beobachten.
Und dann ist auch noch folgende Frage: Was wird aus dem Grundwasser, wenn da irgendwelche Substanzen ausgelöst und mitgerissen werden?
Selbst wenn alle meine oben gelisteten Befürchtungen wissenschaftlich unhaltbar wären, ich finde es insgesamt immer eine ganz dumme Idee, in großem Maßstab ein Umweltkompartiment grundsätzlich zu verändern. Die Atmosphäre haben wir schon ordentlich in Anspruch genommen, auf den Ozeanen treiben Herden von Plastikentchen, Delphine haben Pestizide im Blut eingelagert, jetzt mal wieder der Boden dran. Und was erstmal irgendwo reingemurkst worden ist, kann nachher kaum wieder rausgeholt werden. Im Eimer ist im Eimer.
Unter anderem ist der Plan, dass Kohlenstoffdioxid durch Pipelines zum Beispiel die wenigen 600 km von Köln nach Schleswig Holstein mit 200 bar gepumpt und dort eingepresst wird. Unser lieber Ministerpräsident dachte sich anscheinend, was ne feine Idee, wir haben hier zwar einen hohen Anteil an Windkraftanlagen, aber ein großes Loch in der Kasse, also her mit Eurem Treibhausgas, kein Problem, hier ist Teppich genug zum Drunterschubsen. Immer her mit dem guten Zeug. Kanzlerin Merkel scherzte, dass wir uns dann demnächst wohl vor Mineralwasser mit Kribbel fürchten müssen.
Ich würde mich genauso aufregen, wenn es nicht in meiner Nähe geplant wäre. In Brandenburg ist auch was geplant genauso wie in Süddeutschland und ein paar Flecken in der Mitte. Ich habe gar nicht so viele Haare wie ich mir ausraufen möchte.
Wieso lernen die Menschen eigentlich nicht? Wieso ist der offensichtliche Weg der regenerativen Energien so schwierig zu beschreiten? Wieso soll uns hier ein neues Kohlekraftwerk der alten Garde auf die Wiese gesetzt werden? Achso, haha: Da braucht dann das CO2 nicht so weit gepumpt zu werden. Ich Einfaltspinselin, hätt ich doch gleich drauf kommen müssen.
Schwer angestrengte Grüße,
Caroona
caroona - 17. Aug, 09:12
Diana K. (Gast) - 21. Aug, 09:06
Lobbyismus
Der Grund, warum an diesen monströsen Kohlekraftwerken festgehalten wird, mithin die zerstörersrischte Art der Energegewinnung überhaupt, ist der immer noch üperproportional starke Einfluss der Wirtschafts-Lobby in der Politik, vor allem in der deutschen Politik.
Wer Kohlekraftwerke in Frage stellt, kriegt dann immer die Arbeitsplätze als Totschalargument übergebraten - Arbeitsplätze die dann plötzlich nicht mehr so wichtig sind, wenn sie wegen Auslagerung der Produktion in ein Billiglohnland wegfallen.
Wer Kohlekraftwerke in Frage stellt, kriegt dann immer die Arbeitsplätze als Totschalargument übergebraten - Arbeitsplätze die dann plötzlich nicht mehr so wichtig sind, wenn sie wegen Auslagerung der Produktion in ein Billiglohnland wegfallen.
caroona - 21. Aug, 10:18
Arbeitsplätze
Oh ja, mein Lieblingsargument für alles. Damit kannst Du alle mundtot machen, denn wer will schon, dass der liebe Nachbar nichts mehr zu beißen hat, weil das Atomkraftwerk dicht gemacht wird. Mein Nachbar arbeitet tatsächlich im AKW Brunsbüttel, rate mal ob ich hier in der Runde eine Debatte zum Thema Energieversorgung anzetteln mag...
queerbeet - 23. Aug, 19:44
hm, der schaut für mich aus wie so ein typischer aalglatter politschleimscheißer. und dass er mascherl trägt, lässt mich darauf tippen, dass die spd genauso am puls der zeit ist wie die spö... *röchel*
aber mensch muss ja nicht unbedingt cdu oder spd wählen, oder?
aber mensch muss ja nicht unbedingt cdu oder spd wählen, oder?

Ja, ich wunder mich auch