Musik

Montag, 3. August 2009

Ein sicheres Plätzchen im Schatten

Das war alles, was ich wollte. Der norddeutsche Himmel nahezu wolkenlos. Caroona schon etwas am Schwächeln wegen der äußerst kurzen Nacht zuvor. Da betritt eine Kapelle die Bühne und schmettert ein frohes Liedelein. Die Ansage danach kam unerwarteterweise mit einem erfrischenden Thüringer Akzent daher. Inhaltlich war ich aber leicht alarmiert. Netterweise hat diese weisen Worte ein Anwesender für die Nachwelt mitgeschnitten:

Und zwar: "Ich will, dass Ihr jetze einen Cörglepit macht! Und nehmt mir endlich diesen beschissenen Turm! (Neben dem beschissenen Turm stand Caroona im Schatten.) Wacken!!! Kriegt Ihr das hin???" Alle: "Jaaaaaaaa!" Caroona: "Verdammt, verdammt, verdammt!" Vorne, hinten, rechts, links: Kein Zentimeter Platz zum Ausweichen, so lange kann kein Mensch springen und sich in der Luft halten, Loch graben dauert auch zu lange. Thüringer Fredi: "Ich will endlich Euch alle mal in Bewegung sehn! Ihr da drüben seid dazu auch recht herzlich eingeladen (Wie süß!), okayyyyy? Ihr könnt schon mal loslaufen, ich komm gleich hinterher!"

So. Von einer Sekunde auf die andere sah sich Caroona einer 10 Meter breiten Menschenwalze entgegen, die mit der Absicht angetreten war, um den beschissenen Turm rumzurennen, was das Zeug hält. Gedränge hin oder her. Normalerweise halte ich mich aus Circle Pits raus, weil ich nicht gerne renne, erst recht nicht wenn es heiß ist, und weil ich überhaupt auch nicht so super dringend geschubst werden mag. An dieser Stelle gab es aber kein Entrinnen und ich wette, mit mir zusammen waren noch einige andere SchattenfreundInnen unfreiwillig in hohem Tempo unterwegs. Auch dieser Teil der Veranstaltung wurde netterweise dokumentiert. Film ab! Besonders freue ich mich über die vielen amüsierten Menschen im Vordergrund. Auch mein Exdirk, der als ausgemachtes Nichtweichei weiter vorne in der sengenden Sonne geschmort hatte, meinte hinterher nur, das habe ja voll lustig ausgesehen höhö. Ich wurde die ersten zwei, drei Meter mitgeschleift, entschied mich dann dazu, eine ganze Runde zu drehen, in der zugegebenermaßen unrealistischen Hoffnung, eine weitere Freundin, die ich nach wenigen Sekunden aus den Augen verloren hatte (mit dem großen P in ihren Augen), an der selben Stelle wiederzufinden. Schließlich hatte sie Geld dabei und ich nicht, und ich wollte später ein großes Wasser schnorren, weil es war schließlich auch heiß, falls ich das noch nicht erwähnt hatte. Auf der Circle Pit Tour habe ich immer weiter links rübergezogen und konnte tatsächlich exakt auf gleicher Höhe wieder einscheren, wo ich vorher gestartet war, nur etwas dichter am Turm. Heaven Shall Burn haben das Ganze nur knapp mit einem "Edge of Sanity" Cover wieder gut gemacht. Zu "Black Tears" hopsend fand Caroona die Welt wieder in Ordnung.

Leider war die gute Frau mit dem dicken Portemonnaie zunächst unauffindbar, aber wir wankten irgendwann mit glasigem Blick in der gleichen Ecke rum. Habe mich lange nicht mehr so gefreut, jemanden wieder zu sehen. Wir haben dann sofort einen sinnvolleren Nottreffpunkt ausgemacht als den zu Anfang etwas honkelig gewählten am Ende der Welt hinter der knöcheltiefen Matschpiste.

Zum Glück war die Wall of Death dieses Jahr verboten, laut Heaven Shall Burn angeblich aus Gründen der Schweinegrippe. War mir auch egal, eine zügige Rundreise um den Beck's-Turm mache ich noch klaglos mit, irgendwo ist allerdings meine Leidensbereitschaft auch zu Ende.

Insgesamt bin ich aber zufrieden, wie entspannt die Lage doch war und wie unbehelligt ich recht weit vorne stehe konnte. Fazit: Fan-tas-tisch!

Alles Liebe,

Caroona

Dienstag, 30. Juni 2009

Platte Füße und glückliche Ohren

Last FM ist nochmal mein Untergang. Letztes Jahr fuhr Caroona den relaxten Kurs "Was ich nicht kenne, vermisse ich auch nicht" und hat prompt auf dem Hurricane Jason Mraz verpasst und sich nachher in den Popo gebissen.

Dieses Jahr war sie so schlau und hat im Vorlauf Stun!-den! mit dem Genuss des Hurricane-Event-Radios verbracht. Inklusive Listenschreiberei, was unbedingt gesehen werden muss. Von sechzig Bands standen plötzlich 44 auf dem Plan, einige davon mit drei Ausrufezeichen.

Einerseits habe ich dadurch vorher Bescheid gewusst, dass Gogol Bordello mitnichten so blöd ist, wie der Name vermuten lässt. Hölle, was eine Party.

Andererseits verfalle ich bei zu viel Auswahl schnell in das "ich kann mich nicht entscheiden, alles so schön voller bunter Bonbons hier in diesem Bonbonladen" Syndrom. Und dann ist *hoppelhoppel* blutig wörtlich gemeint. Immer wenn mein Bruder die portable Festplatte mit den gefühlten 20.000 GB Musik zückt, kriege ich einen totalen Starrereflex. "Soooohooooo, was willste denn haben?" "Wwwwwwbsssssswwwwwwww... Hä? ... Ich weiß nicht!!!" Ich bin eigentlich als Kind nicht wirklich zu kurz gekommen, aber über die kleine "Habenhabenhaben!!!"-Caroona kann ich manchmal nur lachen.

Da es leider nicht menschenmöglich ist, an zwei Orten gleichzeitig zu sein, habe ich schweeeren Herzens die Liste ein bisschen zusammengestrichen (auf 38 Bands oder so) und bin immer schon um halb zwölf losgeschlappt, während andere sich noch der Grillung widmeten. Da war es von Vorteil, Vegetarierin zu sein, Grillen ist mir eh wumpe.

Leider geht der Spaß jetzt wieder von vorne los, ich dachte eigentlich, Wacken würde einigermaßen entspannt ablaufen, weil doch bestimmt ganz viel davon Prollometal und somit verzichtbar wäre, ergo ganz viele Päuschen zwischen den Perlen. Leider nicht. Meine in der Zwischenzeit wieder entplätteten Füße jiffeln jetzt schon. Au, au, au. Meine Ohren sind jetzt schon zappelig. Hipp, hipp, hipp. Komisches Körpergefühl, aber ehrlich.

Hin und her gerissen grüßt

Caroona

Mittwoch, 8. April 2009

Caroona allein zu Haus

Okay, wieder was gelernt: Es gibt Pirate Metal. Neenee, Caroona hat noch lange nicht genug Fangirling-Verpflichtungen am Bein. Arrrr Matey, und jetzt das Krummsäbelriff! Hurrah! Und Enterrrrrrn! *schrapschrapschraptrommeltrommeltrommelschrap*

Wann ist endlich Juni? Oder Ende Juli? *hoppelhoppel*

Irgendwann platze ich hier noch vor lauter Yay und Vorfreude. Obwohl ich die Piraten gar nicht mal zu sehen bekomme. Gut, dass ich die nicht auch noch zu sehen bekomme. LastFM ist noch irgendwann mal mein Untergang. Wer hat mich damit eigentlich bekannt gemacht, hm?

Schunkelnd bis kurz vor der Detonation,

Caroona

Donnerstag, 20. November 2008

Ticket ist unterwegs

Hooooooray!!!! Nachdem ich letztes Jahr die Chance verschnarcht habe, weil auch niemand so recht mitwollte, war ich dieses Mal rechtzeitig dran mit Buchen: 2009 geht's nach Wacken! Jetzt muss nur noch das Line-Up anständig ausfallen. Aber wo es doch das 20ste Jubiläum ist, wird das wohl hinhauen. *hoppelhoppelhoppel*

Da kann sich außerdem mal das Hurricane ein Beispiel mit der Terminsetzung nehmen, Wacken ist in den Ferien, damit Caroona nämlich nicht Montags um vier aus dem Zelt krabbeln muss, um irgendwas vor acht ins Schulgebäude zu wanken. Da hat auch niemand was von, wenn wir mal ganz ehrlich sind.

Voller Vorfreude auf den nächsten Sommer grüßt

Caroona

Dienstag, 14. Oktober 2008

Nochmal kurz lastfm

Was da an Zeit reingeht, aber seeeehr unterhaltsam. Ich habe inzwischen ca. 450 InterpretInnen in meiner Sammlung und immer noch keine Nachbarn. Gerade strömt aus meinem Lautsprecher Tokio Hotel, harharhar, daran könnte es liegen, dass ich so schwer vermittelbar bin.

Wer es nicht kennt, lastfm ist so eine Plattform, auf der sich jeder und jede eine Art speziell zugeschnittenen Onlineradiostream zusammenbasteln kann und nach ausreichendem Hören werden Menschen mit ähnlichem Geschmack angegeben, so zum Netzwerkeln, nehme ich mal an. Ist ja immer nett, mit anderen über Lieblingsbands und "Geht echt gar nicht" zu fachsimpeln. Okay, und am Ende werden dann die Daten zum Hörverhalten der Massen statistisch ausgewertet und die Plattenfirmen haben auch was davon, ist ja dann nur gerecht.

Ich stapel diverse KünstlerInnen in meine Sammlung und mir wird immer neuer dazu passender Kram empfohlen. Und da wirds echt spannend: Längst vergessene Gruppen fallen mir wieder ein, der große Nostalgietrip, was waren wir in den Neunzigern noch jung... Ansonsten tun sich auch interessante Dinge auf, die ich vorher noch nicht kannte. Wer hätte gedacht, dass es zum Beispiel so viele kaputte Altcountryfredis gibt. Manche Interpreten haben ein Gefolge von 36 Leuten, manche sind bei mehreren Milionen.

Ich liebe ja Delta-Radio, aber die spielen halt nur einen begrenzten Musikbereich ab und manche Lieder, wenn wir mal ehrlich sind, zwanzig mal pro Tag. Andere Radiosender sind noch anstrengender. Meine lastfm-Sammlung hat endlich nur das, was ich mag, aber auch wirklich alles, was ich gerne hören möchte und zur Not kann ich sogar skippen. Yay!

Musiksüchtig grüßt

Caroona

Sonntag, 8. Juni 2008

Ein Plädoyer für Kinderlieder

Hier und da war in letzter Zeit zu lesen, dass das Absingen von vorhersehbaren Chants musikalisch unbefriedigend ist. Dass die Melodien Kinderlied-artig einfach sind. Einerseits verstehe ich das Bedürfnis nach mehr Anspruch im spirituellen Gesang, aber für mich sind Chants unverzichtbar.

Eins meiner Mottos ist "Halte Dein spirituelles Leben einfach". Wenig Brimborium, keine speziellen Gewänder, kein Spezialwerkzeug auf dem Altar. Dazu passen Chants einfach 100%ig. Wenn das Gehirn die meiste Zeit des Tages vor sich hin brabbelt, gibt es kaum Entspannenderes als einen Zweizeiler mit gefälligem Inhalt ungefähr hundertmal hintereinander zu singen. Wie es im berühmten blauen Buch steht: Chants funktioneren am besten, wenn wir sie singen, bis wir sie nicht mehr hören können und dann noch ein bisschen länger, und dann gucken, was passiert.

Ein Kanon oder ein mehrstimmiges Lied klingt zwar vielleicht spannender, aber es ist nicht so meditativ. Kommt halt darauf an, wozu ich in der Laune bin und was ich vorhabe. Geselligkeit und Verbundenheit und ein schöner Abend? Warum nicht mal ein neues Lied lernen und sich ein bisschen in etwas Komplexeres reinhängen? Bewusste Begegnung mit dem Göttlichen? Eher weniger Aufwand. Geht mir jedenfalls so.

Gemeinsames Tönen ist noch wieder was anderes, das geht alleine natürlich nicht, also für meinen privaten Kram ungeeignet, wenn ich dazu komme sehr nett. Ist unaufwendig und funktioniert auch bei Menschen, die nicht so tonsicher sind.

Wo ich bei tonsicher bin: In einer Gruppe wird es immer Menschen geben, die Dinge besser können und solche, die dieselben Dinge schlechter können. Wenn ich mit irgendwelchen Sprintern unterwegs wäre und wir wanderten wo längs, täte es mir leid, wenn die ein langes Gesicht machen ob der Langsamkeit, aber ich bin nun mal nicht schnell und vor allem: Rennen genieße ich nicht, im Gegensatz zu ihnen. Wenn wir was gemeinsam veranstalten wollen, müssen sich die Schnellen auf die Langsamen einstellen, oder halt ihr eigenes Ding machen und dann und wann wieder zu den Schnecken dazustoßen. Na gut, vielleicht können sich die Schnecken auch mal vorübergehend beeilen, aber nicht weil die Schnellen sich sonst langweilen, sondern weil die Langsamen mal zwischenzeitlich doch Lust haben, über sich hinauszuwachsen.

Chants, Kinderlieder und Kirchenlieder haben im Groben natürlich echt vorhersehbare Melodien. Das mag langweilig wirken, schafft aber auch Vertrautheit, Verbundenheit, leichten Zugang, Wurzeln. Wenn ich mich nicht auf sonstwelche Triolen oder Tonartwechsel konzentrieren muss, kann ich zudem besser auf den Inhalt achten. Wenn ich nach ewig vielen Jahren Gottesdienstabstinenz zum Beispiel zu einer Konfirmation eines Cousins eingeladen bin und es wird in der Kirche gesungen, legt sich ein Schalter um, und ich summe mit und es ist schön für mich. Irgendwie nostalgisch.

Ich singe auch tatsächlich wenn ich alleine zu Hause bin manchmal Kinderlieder, und das nicht erst, seit ich in der Grundschule unterrichte. Solange ich nicht nur noch den Bibabutzemann als Ohrwurm habe :o) Okay, habe ich jetzt, aber egal. Als ich klein war, wurde viel gesungen, alles mögliche, und da ist es für mich einfach auch heimelig und gemütlich und all das kitschige Zeugs, mal was kindliches anzustimmen.

Soll ich morgen mit der ersten Klasse mal die zehn kleinen Zappelmänner intonieren?

Liebe Grüße,

Caroona

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