Musik

Sonntag, 8. Juni 2008

Ein Plädoyer für Kinderlieder

Hier und da war in letzter Zeit zu lesen, dass das Absingen von vorhersehbaren Chants musikalisch unbefriedigend ist. Dass die Melodien Kinderlied-artig einfach sind. Einerseits verstehe ich das Bedürfnis nach mehr Anspruch im spirituellen Gesang, aber für mich sind Chants unverzichtbar.

Eins meiner Mottos ist "Halte Dein spirituelles Leben einfach". Wenig Brimborium, keine speziellen Gewänder, kein Spezialwerkzeug auf dem Altar. Dazu passen Chants einfach 100%ig. Wenn das Gehirn die meiste Zeit des Tages vor sich hin brabbelt, gibt es kaum Entspannenderes als einen Zweizeiler mit gefälligem Inhalt ungefähr hundertmal hintereinander zu singen. Wie es im berühmten blauen Buch steht: Chants funktioneren am besten, wenn wir sie singen, bis wir sie nicht mehr hören können und dann noch ein bisschen länger, und dann gucken, was passiert.

Ein Kanon oder ein mehrstimmiges Lied klingt zwar vielleicht spannender, aber es ist nicht so meditativ. Kommt halt darauf an, wozu ich in der Laune bin und was ich vorhabe. Geselligkeit und Verbundenheit und ein schöner Abend? Warum nicht mal ein neues Lied lernen und sich ein bisschen in etwas Komplexeres reinhängen? Bewusste Begegnung mit dem Göttlichen? Eher weniger Aufwand. Geht mir jedenfalls so.

Gemeinsames Tönen ist noch wieder was anderes, das geht alleine natürlich nicht, also für meinen privaten Kram ungeeignet, wenn ich dazu komme sehr nett. Ist unaufwendig und funktioniert auch bei Menschen, die nicht so tonsicher sind.

Wo ich bei tonsicher bin: In einer Gruppe wird es immer Menschen geben, die Dinge besser können und solche, die dieselben Dinge schlechter können. Wenn ich mit irgendwelchen Sprintern unterwegs wäre und wir wanderten wo längs, täte es mir leid, wenn die ein langes Gesicht machen ob der Langsamkeit, aber ich bin nun mal nicht schnell und vor allem: Rennen genieße ich nicht, im Gegensatz zu ihnen. Wenn wir was gemeinsam veranstalten wollen, müssen sich die Schnellen auf die Langsamen einstellen, oder halt ihr eigenes Ding machen und dann und wann wieder zu den Schnecken dazustoßen. Na gut, vielleicht können sich die Schnecken auch mal vorübergehend beeilen, aber nicht weil die Schnellen sich sonst langweilen, sondern weil die Langsamen mal zwischenzeitlich doch Lust haben, über sich hinauszuwachsen.

Chants, Kinderlieder und Kirchenlieder haben im Groben natürlich echt vorhersehbare Melodien. Das mag langweilig wirken, schafft aber auch Vertrautheit, Verbundenheit, leichten Zugang, Wurzeln. Wenn ich mich nicht auf sonstwelche Triolen oder Tonartwechsel konzentrieren muss, kann ich zudem besser auf den Inhalt achten. Wenn ich nach ewig vielen Jahren Gottesdienstabstinenz zum Beispiel zu einer Konfirmation eines Cousins eingeladen bin und es wird in der Kirche gesungen, legt sich ein Schalter um, und ich summe mit und es ist schön für mich. Irgendwie nostalgisch.

Ich singe auch tatsächlich wenn ich alleine zu Hause bin manchmal Kinderlieder, und das nicht erst, seit ich in der Grundschule unterrichte. Solange ich nicht nur noch den Bibabutzemann als Ohrwurm habe :o) Okay, habe ich jetzt, aber egal. Als ich klein war, wurde viel gesungen, alles mögliche, und da ist es für mich einfach auch heimelig und gemütlich und all das kitschige Zeugs, mal was kindliches anzustimmen.

Soll ich morgen mit der ersten Klasse mal die zehn kleinen Zappelmänner intonieren?

Liebe Grüße,

Caroona

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