Einmal Nimmerland und zurück bitte
Caroona peterpant sich dann und wann gerne mal einen zurecht. Nach ihrem Alter gefragt muss sie jedesmal nachrechnen und ist immer wieder überrascht. Nicht, dass sie gerne nochmal vierzehn wäre (Hilfe!), sie hat nur keine Lust, sich einer Jahreszahl auf Krampf anzupassen. Diese ganzen Schubladen, wie eine Frau oder Akademikerin oder sonstwas sich zu benehmen, kleiden oder auszudrücken hat, das ist irgendwie aufgesetzt und beengend.
Was aber der Online-Spiegel jetzt zum x-ten Mal bringt, naja. Ist zum x-ten Mal irgendwie peinlich mit anzugucken. Wenn ich beim großen Quiz "Sprechen Sie die Sprache der Jugendlichen" 12 von 12 Punkten hole, heißt das nicht, dass ich wie Teenies spreche, erst recht nicht, dass die Jugendlichen so sprechen wie sich das der "PONS Jugendsprache" vorstellt, sondern daran, dass manche Dinge einfach schon ewig Bestandteil der Umgangssprache (Fußhupe) sind und manche Dinge mit einem bisschen Phantasie herleitbar (Komposti) sind.
Die Jugendlichen, die ich tagtäglich vor der Nase habe, sprechen im Prinzip ganz normale Umgangssprache, regional eingefärbt, die türkischen Jungs fragen mich dann und wann "Na? Wo geiht di dat?", in Briefchen und auch in Physiktests wimmelt es von Chatspeak der Sorte "kp", "ka" und "XD". Das wird dann ins gesprochene übertragen, wenn etwas witzig ist jubelt es manchmal "Haha, loooooooooool!". Aber das ist für mich kein Code, mit dem sich abgegrenzt wird, sondern eher kreativ und unterhaltsam. Die Kleinen überrascht oder ärgert es auch nicht, wenn sie von mir verstanden werden.
Ich halte es überhaupt für unmöglich, das sehr fluide Phänomen Umgangssprache in Wörterbüchern festzutackern. Manche Ausdrücke überdauern die Dekaden, manche sind nächste Woche schon wieder unmodern. Und ehrlich, mir machen Menschen Sorgen, die sich im stillen Kämmerlein solche Wörterbücher zusammenspintisieren. Oder meinetwegen auch glauben, dass sie bei Umfragen von Jugendlichen hilfreiche Auskünfte bekommen. Wenn es nun angeblich so ein geheimer Geheimcode ist, wieso sollten sie ihn ausplaudern? Ich an deren Stelle würde da den größtmöglichen Müll als genuine Jugendsprache verkaufen, nur um dem Befrager einen mitzugeben. Genauso besorgt bin ich um Menschen, die sich solche Bücher zulegen und annehmen, sie kämen jetzt super cool rüber, wenn sie ihr angelesenes Wissen hier und da einstreuen. Meiner Einschätzung nach respektieren Jugendliche Authentizität mehr als gestelztes Rangeschleime.
Begleitet wird das Quiz ja ironischerweise von vier Jugendspracheduellen, bei denen Menschen unterschiedlicher Generationen gegeneinander antreten und diverse Sätze übersetzen sollen. Genereller Tenor ist, dass so gekünstelt niemand redet, dass sich das irgendein gefühlt extrem hipper und junggebliebener Redakteur aus den Fingern gesogen hat. Was den Spiegel nicht daran hindert, bei erfolgreichem Abschluss des Tests zu konstatieren: Sie sind voll der Checker, Digga. Oder so. Merken die selbst noch was? Glaube nicht.
Wenn irgendwas geeignet ist, Wortspielereien, Klangmalereien oder ironische Übertreibungen zeitnah zu sammeln, dann eher das Internet und dann nicht auf scheinbar coole Jugendsprache gemünzt, sondern für alle Altersklassen offen, so in etwa wie bei Mundmische, manchmal jenseits der Schmerzgrenze und extrem un-PC, aber dann und wann wenigstens witzig und irgendwie echter als "Lass mal ne Mafiatorte jammern gehen"
Fasziniert von Sprachen allgemein grüßt ganz unjugendlich
Caroona
Was aber der Online-Spiegel jetzt zum x-ten Mal bringt, naja. Ist zum x-ten Mal irgendwie peinlich mit anzugucken. Wenn ich beim großen Quiz "Sprechen Sie die Sprache der Jugendlichen" 12 von 12 Punkten hole, heißt das nicht, dass ich wie Teenies spreche, erst recht nicht, dass die Jugendlichen so sprechen wie sich das der "PONS Jugendsprache" vorstellt, sondern daran, dass manche Dinge einfach schon ewig Bestandteil der Umgangssprache (Fußhupe) sind und manche Dinge mit einem bisschen Phantasie herleitbar (Komposti) sind.
Die Jugendlichen, die ich tagtäglich vor der Nase habe, sprechen im Prinzip ganz normale Umgangssprache, regional eingefärbt, die türkischen Jungs fragen mich dann und wann "Na? Wo geiht di dat?", in Briefchen und auch in Physiktests wimmelt es von Chatspeak der Sorte "kp", "ka" und "XD". Das wird dann ins gesprochene übertragen, wenn etwas witzig ist jubelt es manchmal "Haha, loooooooooool!". Aber das ist für mich kein Code, mit dem sich abgegrenzt wird, sondern eher kreativ und unterhaltsam. Die Kleinen überrascht oder ärgert es auch nicht, wenn sie von mir verstanden werden.
Ich halte es überhaupt für unmöglich, das sehr fluide Phänomen Umgangssprache in Wörterbüchern festzutackern. Manche Ausdrücke überdauern die Dekaden, manche sind nächste Woche schon wieder unmodern. Und ehrlich, mir machen Menschen Sorgen, die sich im stillen Kämmerlein solche Wörterbücher zusammenspintisieren. Oder meinetwegen auch glauben, dass sie bei Umfragen von Jugendlichen hilfreiche Auskünfte bekommen. Wenn es nun angeblich so ein geheimer Geheimcode ist, wieso sollten sie ihn ausplaudern? Ich an deren Stelle würde da den größtmöglichen Müll als genuine Jugendsprache verkaufen, nur um dem Befrager einen mitzugeben. Genauso besorgt bin ich um Menschen, die sich solche Bücher zulegen und annehmen, sie kämen jetzt super cool rüber, wenn sie ihr angelesenes Wissen hier und da einstreuen. Meiner Einschätzung nach respektieren Jugendliche Authentizität mehr als gestelztes Rangeschleime.
Begleitet wird das Quiz ja ironischerweise von vier Jugendspracheduellen, bei denen Menschen unterschiedlicher Generationen gegeneinander antreten und diverse Sätze übersetzen sollen. Genereller Tenor ist, dass so gekünstelt niemand redet, dass sich das irgendein gefühlt extrem hipper und junggebliebener Redakteur aus den Fingern gesogen hat. Was den Spiegel nicht daran hindert, bei erfolgreichem Abschluss des Tests zu konstatieren: Sie sind voll der Checker, Digga. Oder so. Merken die selbst noch was? Glaube nicht.
Wenn irgendwas geeignet ist, Wortspielereien, Klangmalereien oder ironische Übertreibungen zeitnah zu sammeln, dann eher das Internet und dann nicht auf scheinbar coole Jugendsprache gemünzt, sondern für alle Altersklassen offen, so in etwa wie bei Mundmische, manchmal jenseits der Schmerzgrenze und extrem un-PC, aber dann und wann wenigstens witzig und irgendwie echter als "Lass mal ne Mafiatorte jammern gehen"
Fasziniert von Sprachen allgemein grüßt ganz unjugendlich
Caroona
caroona - 29. Nov, 12:08
